Heute (06.07.) wird eine Raumsonde vorgestellt, die sich 2018 auf den Weg zum Merkur machen soll. Zu entdecken gibt es viel auf dem ungemütlichen Planeten, der unserer Sonne am nächsten ist.

BepiColombo heißt eine Kooperation zwischen der europäischen und der japanischen Space Agency, die jetzt den Merkur ins Visier genommen hat. Und dabei ist klar: Die Wissenschaftler haben sich einiges vorgenommen. Eine Sonde zum Mars schicken – das vergleicht der Wissenschaftsjournalist Michael Büker mit einer Autofahrt von Essen nach Dortmund. Die zehnjährige Reise der Sonde Rosetta zum Kometen Tschuri war nach diesem Maßstab eine Reise von Lissabon nach Sank Petersburg – im Smart. Und der Trip, den die BepiColombo erwartet? Der entspricht einer Reise von Kopenhagen nach Istanbul. Immerhin.

Eine beschwerliche Reise, die sich lohnen dürfte. Merkur ist einer von drei Geschwisterplaneten im inneren Sonnensystem. Von den acht Planeten in unserer Nachbarschaft bestehen nur vier aus Gestein – neben der Erde, Venus, Mars und eben Merkur. Und der fristet neben den beiden Planetenhotspots bislang noch ein Schattendasein - in direkter Nachbarschaft zur Sonne. Ein Fehler, denn Merkur hat viel mit unserem Heimatplaneten gemein – unter anderem sein Magnetfeld – über das wir noch Einiges lernen können. 

Trotzdem ist Merkur kein besonders einladender Ort. Am Tag wird es 430 Grad warm und nachts kühlt es auf frostige Minus 170 Grad ab. Schon deshalb kommt der Merkur wohl kaum als Ausweichquartier infrage, wenn wir unseren Planeten endgültig zugrunde gerichtet haben sollten.  Es gibt keine Atmosphäre, der Planet dreht zu nah um die Sonne und auch der Tages-Nacht-Rhythmus würde uns zu schaffen machen. Tage können dort nach Erdenmaßstäben schon mal mehrere Wochen dauern – in deren Verlauf sich die Oberfläche sehr stark aufheizen kann. 

"Für Leben ist dort kein Raum - man ist sich sicher, dass Merkur ein toter Planet ist."
Michael Büker, Wissenschafftsjournalist und Astrophysiker

Und dann ist da noch das Problem, wie dieser unwirtliche Ort überhaupt erreicht werden soll. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Eine riesige Rakete, die Unmengen an Treibstoff verbraucht und die Reise um Sprint bewältigt, oder ein energieeffizienter Trip, der dann etwas länger dauert. Der Trick dabei: Mit vielen Vorbeiflugmanövern holt die Sonde immer wieder Schwung. Dabei passiert sie die Erde, zweimal die Venus und zum Schluss noch ein halbes Dutzend Mal den Merkur selbst. Die Sonde bounct also wie eine Billardkugel durchs Sonnensystem, bis sie endlich am Ziel ist. 

Was die ganze Reise besonders kompliziert macht: Wer sich auch die Reise ins Innere des Sonnensystems macht, muss unterwegs sehr viel Energie verlieren, damit er näher an die Sonne heranfällt, erklärt Michael Büker. Auch deshalb hat Merkur erst zweimal Besuch von Sonden bekommen. Bei der Mission BepiColombo werden übrigens gleich zwei Sonden am Merkur abgesetzt. Während die eine, eine Umlaufbahn in direkter Umgebung des Merkurs beschreiben soll, setzt Sonde Nummer zwei etwas höher an. Das Ziel: Neben der Oberfläche und der Beschaffung des Gesteins soll auch die Umgebung des Planeten erforscht werden. Besonders spannend dabei: die Sonnenstrahlung in Wechselwirkung mit dem Magnetfeld.