Seit März sind die Clubs wegen der Corona-Pandemie dicht. Vom Feiern hält das viele trotzdem nicht ab: Alleine in Berlin sollen jedes Wochenende schätzungsweise zwischen 10 und 50 illegale Open-Air-Raves stattfinden. Einer dieser Orte ist die Hasenheide.

Die Hasenheide in Berlin war schon vor der Corona-Pandemie ein bekannter Treffpunkt für Party und Sex. Seit die Clubs geschlossen sind, haben Raver und Raverinnen den Park zu ihrem Club unter freiem Himmel umfunktioniert. Keine Tür und keine Türsteher. Dafür jedes Wochenende hunderte Menschen, die die ganze Nacht lang Party machen.

Öffentlich bekannt wurde die Hasenheide, als Journalisten im Mai 2020 über die illegalen Open-Air-Raves berichtet haben.

Feiern im Dickicht der Bäume

Am 25. Juli 2020, dem Christopher Street Day in Berlin, hat die Polizei 3000 Raver auf der Hasenheide gezählt. Das ist offiziell der bisherige Höhepunkt der dortigen Open-Air-Raves.

Wie viele Menschen sonst auf der Hasenheide feiern, ist unklar. Denn: In dem kilometerlangen Park zwischen Kreuzberg und Neukölln gibt es überall versteckte Wiesen und kleine Wälder. Ein scheinbar perfekter Ort, um nicht aufzufallen. "Die Hasenheide müsste eigentlich Katz-und-Maus-Heide heißen", erzählt eine Raverin Deutschlandfunk-Nova-Reporter Manfred Götzke.

Ein Versteckspiel vor der Polizei

Die Polizei kontrolliert den Park zwar immer mal wieder, trifft dann aber kaum auf Feiernden, weil die sich in den Wäldern und im Dickicht verstecken. Sind die Beamten wieder weg, gehen die Raves weiter. Bei der Open-Air-Party am Christopher Street Day hat die Polizei die ganze Nacht gebraucht, bis sie die verteilten Raver-Gruppen auflösen konnte.

Als unser Reporter an einem Samstagabend um 23 Uhr auf der Hasenheide unterwegs ist, beobachtet er verteilt über den Park kleine Gruppen bestehend aus um die zehn Personen, die sich zur Musik bewegen, die aus ihren Lautsprecherboxen dröhnt.

Abstandhalten nach Gefühl

Erst als es später wird, strömen mehr Raver in den Park. Auf einer Lichtung, dem Main Floor in dieser Nacht, tanzen etwa hundert Menschen unter freiem Himmel, berichtet unser Reporter. Manche von ihnen stehen dicht zusammen, einige achten auf Abstand.

"Wir versuchen uns immer an die Abstandsregelungen zu halten. Natürlich ist es nicht immer so einfach."
Raverin aus NRW, die zu Besuch in Berlin ist

Gerade weil die Hasenheide so weitläufig ist, sei sie ein guter Ort für Partys in Coronazeiten, findet Raver Michael (Name geändert). Abstandhalten sei in dem Park kein Problem. Zumal der Open-Air-Charakter der Raves das Infektionsrisiko für ihn ausgleicht: "Es ist ja, glaube ich, bewiesen, dass unter freiem Himmel die Infektionsrate gleich null ist. Und der Berliner Senat hat jetzt ein Gesetz auf dem Tisch, ob die Clubs Open-Airs machen können", erzählt er unserem Reporter. Bis dahin bleibe die Hasenheide sein neuer Lieblingsclub.

"Ich komme auf die Hasenheide, weil es schön ist. Viel Platz, man kann gut Abstand halten – und kann gut feiern."
Michael nimmt regelmäßig an den Raves auf der Hasenheide teil. (Seinen Namen hat die Redaktion verändert)

Feiern wie im Club und trotzdem die Corona-Regeln einhalten, ist für eine weitere Partybesucherin vielmehr eine Frage des gegenseitigen Respekts. Würden sich mehr Menschen an die Corona-Regelungen halten, könnte das offizielle Raves wahrscheinlicher machen, sagt sie.

Auf Eigenverantwortung setzen

Illegal in Coronazeiten Party machen ja oder nein? Das muss jeder für sich ausmachen, abhängig von der eigenen Lebenssituation, findet eine Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen.

Zusammen mit zwei Freundinnen, die auch als Lehrerinnen in NRW arbeiten, macht sie einen Kurzurlaub in Berlin. Tanzen gehört für die drei auch dazu.

"Wir können die Kritik an den Open-Air-Raves komplett verstehen. Aber bei der Frage gibt es wenig richtig oder falsch."
Partybesucherin, die auf Eigenverantwortung setzt

Von den Raves auf der Hasenheide haben sie in den vergangenen Wochen gehört. Für sie sind die inoffiziellen Partys weder richtig noch falsch: "Ich zum Beispiel arbeite von zu Hause und habe auch keine Risikopatienten um mich rum. Die Gruppen sind auch überschaubar hier. Aber ja: Es ist auch schwer zu verteidigen. Es ist halt so ein Zwiespalt. Und ich glaube, das geht jedem hier so – hoffe ich jedenfalls", erklärt eine der drei Lehrerinnen.

"Kritik okay, Stigmatisierung nicht"

Die Menschen, die auf der Hasenheide feiern, dürften nicht stigmatisiert werden, findet Raver Michael. Von vielen der Besucherinnen und Besuchern wisse er, dass sie die Corona-Warn-App nutzen würden. Die Infektionsketten seien theoretisch also nachvollziehbar, sagt er. Und tatsächlich ist die Hasenheide bisher nicht mit Coronainfektionen in Verbindung gebracht worden. Andererseits gibt es für die illegalen Partys in dem Park eben auch keine Meldelisten, die erfassen, wer wann dort gewesen ist.

"Schon vor Corona war die Hasenheide ein Treffpunkt für Party und Sex. Jetzt trifft diese Szene auf Grundschullehrerinnen aus NRW, Jugendliche, die nur mal gucken wollen – und Obdachlose, die im Park leben."
Manfred Götzke, Deutschlandfunk Nova