Achtung, Leute, aus George Orwells düsterem Zukunfts-Roman 1984 ist schon erschreckend viel wahr geworden. Das ist die Botschaft der Kinobesitzer in den USA und Kanada, die die Verfilmung heute, am 4. April, in über 180 Arthouse-Kinos zeigen.

In George Orwells Roman ist der 4. April 1984 der Tag, an dem Winston Smith, die Hauptfigur, sein Tagebuch anfängt. Er ist sich allerdings gar nicht so sicher, ob es wirklich 4. April ist, weil das totalitäre Regime ständig Zeitungsberichte ändert und damit langfristig auch die Geschichtsschreibung fälscht. Das ist Winstons eigener Job. Und deshalb weiß er, dass er diesem Regime bei nichts trauen kann, nicht einmal beim Datum.

"In den USA hängen zwar noch nicht überall Bildschirme, auf denen Donald Trump als Big Brother zu sehen ist. Aber das mit dem Verdrehen der Wahrheit, das ist das, was die Trump-Regierung von Anfang an belegbar gemacht hat."
Wolfgang Stuflesser, DRadio-Wissen-Korrespondent

Wahrheit verdrehen und "alternative Fakten" schaffen

Gleich am Tag nach der Inauguration machte Trumps Pressesprecher Sean Spicer falsche Angaben über die Zahl der Besucher. Am nächsten Tag wurde dann Kellyanne Conway, Trumps Beraterin, beim Sender NBC News gefragt, wie es sein könne, dass der offizielle Sprecher des neuen Präsidenten gleich bei seiner ersten Pressekonferenz nicht die Wahrheit sagt. Da sagte sie den inzwischen berühmten Satz: "Sean Spicer hat alternative Fakten präsentiert."

"Das hat viele an 1984 erinnert, wo die Zeitungen in den Archiven verändert und Menschen als unerwünschte Personen darin getilgt werden. Das lockere Verhältnis von Trump und seinen Leuten zur Wahrheit, das ist die große Parallele zum Roman 1984."
Wolfgang Stuflesser, DRadio Wissen Korrespondent

Noch kann die US-Regierung den Bürgern nicht ins Wohnzimmer schauen, wie in Orwells Buch. Dort sind die Bildschirme gleichzeitig Kameras. Aber die Überwachung insgesamt hat in den USA schon unter Obama Ausmaße angenommen, bei denen viele Datenschützer Alarm schlagen. Die Rolle der elektronischen Medien hat George Orwell fast prophetisch vorausgesehen: Bei der Kontrolle der Menschen und bei ihrer Indoktrination.

Permanente Propaganda-Berieselung

Bei Orwell ist Propaganda omnipräsent: auf großen Bildschirmen verkündet das Regime immer und überall seine Erfolgsmeldungen. Die freie Presse übt heute ja eine wichtige Kontrollfunktion aus - auch gegenüber Regierungen. Wie Trump zu einigen Medien steht, das hat er schon öfter deutlich gemacht.

"Donald Trump hat gleich zu Anfang seiner Präsidentschaft gesagt, er sei im Krieg mit den Medien und bezeichnete sie als Feind des amerikanischen Volkes."
Wolfgang Stuflesser, DRadio-Wissen-Korrespondent

Die Programmkino-Betreiber in den USA und Kanada, die jetzt den Film 1984 als Protest-Aktion wieder zeigen, machen das zum Teil kostenlos für die Besucher und rechnen mit entsprechend großem Andrang. 

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