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Der zu lebenslanger Haft verurteilte Halle-Attentäter soll sich, wie andere rechtsextremistische Attentäter auch, im Netz weiter radikalisiert haben. Die Journalistin Karolin Schwarz hat ausführlich zu dem Thema recherchiert. Sie sagt, das Netz könne Hinweise auf mögliche Anschläge liefern, doch vor allem müsse das soziale Umfeld sensibilisiert werden, damit so etwas verhindert werden könne.

Im Prozess zum rechtsterroristischen Anschlag von Halle ist der Angeklagte vom Oberlandesgericht Naumburg zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Der 28-Jährige war wegen zweifachen Mordes, mehrfachen Mordversuchs, Körperverletzung, räuberischer Erpressung und Volksverhetzung angeklagt.

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Der Verurteilte hatte am 9. Oktober 2019 versucht, in die Synagoge von Halle einzudringen, in der, Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag, gefeiert wurde. Er hatte auf die Zugangstür geschossen, gelangte aber nicht in das Gotteshaus. Daraufhin erschoss er vor der Synagoge eine 40-jährige Passantin und einen 20-Jährigen in einem Imbiss.

Radikalisierung im Netz ein Faktor

Die Ermittler haben rassistisches Material sowie antisemitische und frauenverachtende Bilder auf dem Computer des Halle-Attentäters sichergestellt, das Material hat er außerdem im Netz verbreitet, wo er sich auch weiter radikalisierte.

Die Journalistin Karolin Schwarz hat zu dem Thema recherchiert und war auch Sachverständige im Prozess gegen den Halle-Attentäter. Rechtsextreme, so sagt sie, würden neben den bekannten Plattformen wie Facebook und Co. auch spezielle Plattformen nutzen, um sich zu vernetzen.

"Rechtsextreme sind eigentlich auf allen Plattformen unterwegs, die wir so kennen, nutzen zusätzlich aber eine Reihe anderer Plattformen, um sich zu vernetzen."
Karolin Schwarz, Journalistin und Sachverständige im Halle-Prozess

Zu solchen Plattformen würden beispielsweise sogenannte Imagebords zählen – Plattformen, auf denen frei von jeder Kontrolle und anonym Bilder gepostet und kommentiert werden können. Imagebords würden Raum für alle möglichen Themen bieten, auch für völlig unpolitische, aber in Unterkategorien eben auch für menschenverachtende Inhalte, Antisemitismus, Islam- oder Frauenfeindlichkeit.

Eigenes Vokabular und Memes

Mögliche Straftäter im Netz aufzuspüren, sei für die Ermittlungsbehörden keine leichte Aufgabe und zum Teil Neuland, sagt Karolin Schwarz. Identitäten können leicht verschlüsselt werden und die Betreiber von manchen Plattformen würden sich gegen die Herausgabe von Daten sperren. Sicherheitsbehörden müssten sich außerdem in das einschlägige Vokabular einarbeiten, sagt die Sachverständige. So gebe es die unterschiedlichsten Begriffe für Frauen oder Muslime beispielsweise – Begriffe, die für Außenstehende eher nicht verständlich seien.

"Es gibt ein Vokabular und Memes, die für Nutzende der Plattform geläufig sind, die man von außen aber nicht ganz so gut versteht."
Karolin Schwarz, Journalistin und Sachverständige im Halle-Prozess

Potenzielle rechtsextremistische Attentäter bereits im Vorfeld zu ermitteln, sei insgesamt schwierig. Auch wenn das Internet bei der Radikalisierung eine wichtige Rolle spielen und auch Hinweise liefern könne, gebe es weitere wichtige Faktoren, wie zum Beispiel psychische Gesundheit oder Lebensläufe, sagt die Journalistin. Darum brauche es ihrer Meinung nach vor allem auch eine Sensibilisierung des Umfelds, das bei auffälligem Verhalten die Behörden alarmiere, bevor etwas passiere.

"Im Netz gibt es Hinweise, zusätzlich brauchen wir eine Sensibilisierung des Umfelds, das die Behörden alarmiert."
Karolin Schwarz, Journalistin und Sachverständige im Halle-Prozess