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Wegen einer Serie von Mord- und Bombendrohungen ist im Fall des selbsternannten NSU 2.0 jetzt erneut ein Verdächtiger in Haft. Die Verbindungen zu deutschen Sicherheitsbehörden bleiben weiterhin undeutlich.

Im Fall der Serie rechtsextremer Drohschreiben mit dem Absender "NSU 2.0" ist erneut ein Verdächtiger festgenommen worden. Das teilten die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Hessische Landeskriminalamt mit. NSU steht für "Nationalsozialistischer Untergrund".

Der 53-jährige erwerbslose Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit stehe im dringenden Verdacht, seit August 2018 unter dem Synonym NSU 2.0 bundesweit eine Serie von Drohschreiben mit volksverhetzenden, beleidigenden und drohenden Inhalten verschickt zu haben.

"Es könnte noch Komplizen bei der Polizei geben. Bisher sind die Ermittlungen im Sande verlaufen, obwohl es Druck gab auf die hessische Polizei."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Adressierten waren überwiegend Personen des öffentlichen Lebens, vor allem aus der Medienwelt und der Politik, darunter Landtagsabgeordnete, Bundestagsabgeordnete, die NSU-Opfer-Anwältin Seda Basay-Yildiz und die Kabarettistin Idil Baydar.

Verdächtiger ist kein Polizist

Der aktuell Verdächtige sei bereits in der Vergangenheit wegen zahlreicher - unter anderem auch rechtsmotivierter - Straftaten rechtskräftig verurteilt worden. Er sei zu keinem Zeitpunkt Bediensteter einer Polizeibehörde gewesen.

Das ist insofern wichtig, weil die Ermittlungen ergeben haben, dass der oder die Täter*innen Informationen aus Polizeicomputern abgegriffen haben. Zum Beispiel stehen in den Drohmails, die bisher verschickt wurden, Einzelheiten, die nur die Polizei kannte. Auch die Mail-Adressen stammten aus Polizeicomputern in Frankfurt am Main.

"Jetzt werden die Datenträger ausgewertet, die in der Wohnung gefunden wurden. Vielleicht hilft das. Bisher waren die Ermittlungen ja nicht besonders erfolgreich."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die bei der Hausdurchsuchung in Berlin am Montag, den 03.05.2021, sichergestellten Datenträger würden nun ausgewertet. Auch werde unter anderem wegen des Verdachts der Volksverhetzung, des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, der Bedrohung sowie der Beleidigung ermittelt.

133 Drohschreiben

Bereits Mitte März 2021 hatte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) von insgesamt 133 verschickten Drohschreiben berichtet. Dabei rechneten die Ermittler 115 dieser Schreiben dem Tatkomplex NSU 2.0 zu. 18 Schreiben seien mutmaßlich von Trittbrettfahrern verfasst und versendet worden.

"Letztes Jahr ist schon mal ein Mann aus Landshut als Tatverdächtiger festgenommen worden. Da hat sich dann aber herausgestellt, dass er ein Trittbrettfahrer war."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Reporter