In Irland gilt eines der strengsten Abtreibungsverbote der EU. Es steht seit 1983 in der Verfassung. Mit einem Referendum könnten die Iren das ändern - ein Stimmungsbild.

Abtreibung ist in Irland verboten, es sei denn das Leben der Mutter ist in Gefahr. Das gilt etwa im Fall einer Suizidandrohung. In allen anderen Fällen, beispielsweise bei Vergewaltigung, oder bei einem missgebildeten Fötus, dürfen Ärzte in Irland keinen Schwangerschaftsabbruch vornehmen. Ein schon zuvor geltendes Verbot wurde 1983 durch ein Referendum mit dem achten Verfassungszusatz bekräftigt. Über diesen Zusatz wird heute, am 25. Mai 2018, abgestimmt.

Über die Ausgangslage in Irland und die Argumente der Abtreibungsgegner haben wir mit unserer Korrespondentin Stephanie Pieper gesprochen. Sie weiß, wohin irische Frauen, die ungewollt schwanger sind, sich momentan wenden: Sie gehen ins Ausland und reisen in der Regel nach Großbritannien oder in die Niederlande.

"Jedes Jahr fahren etwa 5000 Frauen aus Irland nach Großbritannien, um abzutreiben. Das akzeptiert der irische Staat auch."
Stephanie Pieper, Korrespondentin in Irland

Eine weitere Möglichkeit, die allerdings illegal ist, beschreibt Stephanie: Frauen, die abtreiben möchten, bestellen Abtreibungsmedikamente und nehmen diese dann ohne medizinische Kontrolle ein – und riskieren ihre Gesundheit. Hinzu kommt eine weitere Gefahr:  Werden sie erwischt, drohen 14 Jahre Haft.

Massenprotest der Abtreibungsgegner

Eine solche Verurteilung hat es bisher allerdings noch nicht gegeben, berichtet Stephanie. Sie hat beobachtet, dass gerade die Abtreibungsgegner, also das No-Lager, viele Menschen auf die Straße gebracht hat. Bei einer der größten Demos kamen mehr als 100.000 Abtreibungsgegner in Dublin zusammen.

Die Yes-Seite, also die Abtreibungsbefürworter, hat eher nicht die Massen mobilisiert. Ihre Kampagne setzte auf Mund-zu-Mund Mobilisierung - von Haustür zu Haustür. Auch Berufspendler wurden angesprochen und mit Stickern und Flyern versorgt.

Plakat von Abrteibungsbefürwortern in Dublin

Unser Reporter Johannes Döbbelt hat zur Yes-Kampagne der Abtreibungsbefürworter recherchiert und herausgefunden, wie die Organisation Women on Web abtreibungswillige Frauen berät und ihnen hilft. Das Gespräch mit Johannes könnt ihr hier anhören. Er sagt:

Johannes Döbbelt, Deutschlandfunk Nova
"Die Leute in der Stadt und die eher jungen Iren sind im Schnitt eher für das Recht auf Abtreibung."

Die Position der Abtreibungsgegner deckt sich hingegen mit der bestehenden Gesetzeslage in Irland: Das ungeborene Leben ist genauso wichtig, wie das Leben der werdenden Mutter. Ab dem Moment der Empfängnis, sei der Embryo im Prinzip ein menschliches Leben. Das ist auch die Haltung der katholischen Kirche.

"Die katholische Kirche hat in den 80er Jahren erst dafür gesorgt, dass diese strikte Regelung in die Verfassung aufgenommen wurde."
Stephanie Pieper, Korrespondentin in Irland

1983 stimmten noch rund zwei Drittel für das Abtreibungsverbot. Die Beteiligung lag damals bei 53 Prozent. Nach einer Reihe von Skandalen hat die Autorität der katholischen Kirche jedoch auch in Irland gelitten. Im Jahr 2005 bezeichneten sich noch 69 Prozent der Iren als religiös, 2012 waren es noch 47 Prozent (PDF; S.6).

Heute, meint Stephanie, würden sich viele Iren nichts mehr vorschreiben lassen wollen und meinen, dass es das Recht der Frau sei, über einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden.

Die politische Ebene ist sich einig. Sowohl die konservative Minderheitsregierung als auch die anderen Parteien im Parlament unterstützen offiziell die Rücknahme des Abtreibungsverbots in dem strittigen achten Verfassungszusatz – gehören also zum Lager der Abtreibungsbefürworter.

Kippt das Verbot, kommt das Gesetz

Trotz dieser Einigkeit in den Spitzen der Parteien, sind immer noch vereinzelte Abgeordnete im irischen Parlament strikte Abtreibungsgegner, berichtet Stephanie Pieper.

Sollten sich die Abtreibungsbefürworter durchsetzen, muss im nächsten Schritt noch ein Gesetz im Parlament verabschiedet werden. Im Gespräch ist, dass Schwangerschaftsabbrüche bis zur 12 Woche ohne Angabe von Gründen möglich sein sollen. Ist die Schwangerschaft bereits weiter vorangeschritten, müssen zusätzlich gesundheitliche Gründe vorliegen.

Die Abstimmung in Irland läuft am Freitag, den 25. Mai, bis 23 Uhr unserer Zeit. Über das Ergebnis informieren euch die Seiten DLF24.de und unsere Nachrichten.

Mehr zum Thema Abtreibungen bei Deutschlandfunk Nova: