Weil der FC St. Pauli keinen Aufnäher mit BILD-Logo auf dem Trikot tragen will, hat BILD-Chefredakteur Kai Diekmann den Verein beschuldigt, Flüchtlinge nicht willkommen zu heißen.

Der "Profifussball unterstützt Flüchtlinge" - so lautete am Montag die Pressemitteilung der Deutschen Fussballliga. Und deshalb wollen oder sollen alle Spieler der Ersten und Zweiten Bundesliga am kommenden Spieltag auf dem linken Ärmel ihrer Trikots einen besonderen Aufnäher tragen: "Wir helfen" und "#refugeeswelcome" steht darauf. Alle Spieler - bis auf die vom FC St. Pauli. Die Vereinsführung dort stört nämlich die Tatsache, dass die Charity-Aktion eine Initiative der BILD-Zeitung ist, deren Logo ebenfalls auf dem Ärmel-Aufnäher erscheint.

Empörung über Diekmanns Tweets

Die ganze Sache wäre vielleicht gar nicht so groß aufgefallen, hätte nicht Bild-Chefredakteur Kai Diekmann gestern zwei Tweets darüber in die Welt geschickt - und jetzt gibt es eine Riesen-Aufregung. Allerdings weniger über den FC St. Pauli, sondern eher über Diekmann.

"Die Fans des FC St. Pauli sind gerade nicht dafür bekannt, in der rechten Ecke zu stehen und Berührungspunkte zu Ausländerfeindlichkeit zu haben."
Michael Gessat, DRadio Wissen

Der Verein und seine Fans sind eher im links-alternativen Milieu einzuordnen - ganz im Gegensatz zu den Fans manch eines anderen Klubs. Normalerweise ist der Werbeplatz auf dem Trikot für den Bundesliga-Hauptsponsor Hermes bestimmt. Der verzichtet für den Spieltag aber auf sein erkauftes Werberecht - sein Logo ist nur noch ganz klein auf dem "Wir helfen"-Aufnäher zu sehen.

"Dass da eben auch das Bild-Logo auftaucht, hatte auch das Magazin '11 Freunde' kritisiert: Das Ganze sei eine 'an sich großartige Aktion, wenn da nicht dieser fade Beigeschmack wäre.'"
Michael Gessat

Die Reaktion von St. Pauli

"Mit Verwunderung haben die Verantwortlichen des FC St. Pauli zur Kenntnis genommen, dass das vertrauliche Schreiben an die Bild-Zeitung von dieser genutzt wurde, die Absage des FC St. Pauli negativ in der Öffentlichkeit darzustellen." So schreibt die Vereinsführung in einer Stellungnahme. Der Verein, seine Spieler und seine Fans seien nämlich seit Monaten für Flüchtlinge aktiv und sähen daher nicht die Notwendigkeit, an der Bild-Kampagne teilzunehmen. Andere Reaktionen auf Diekmann fallen weniger zurückhaltend aus.

"Mit Verlaub Herr Diekmann, Sie sind ein A………! Meine Halsschlagader pocht, ich hab Flecken im Gesicht und daran sind nur sie schuld [...]. Stünden sie jetzt vor mir, ich würde sie anspucken, so sehr widern Sie mich an."

Inzwischen hat Kai Diekmann natürlich reagiert. Zweifelhaft.