Eine überfüllte Karlsbrücke in Prag oder Menschenmassen, die sich Richtung Markusplatz in Venedig drängen – diese Bilder kennen wir nur zu gut. Durch die Corona-Pandemie hatten die beliebten Reiseziele eine kleine Auszeit und haben sich neue Konzepte für die Zukunft überlegt.

Der Sommer steht vor der Tür und viele von uns haben bereits ihren Sommerurlaub geplant. Aber nicht nur wir planen, sondern auch Städte wie Dubrovnik und Prag oder Naturorte wie Milford Sound in Neuseeland planen – und zwar anders als vor der Pandemie. Denn da war Overtourism, also viel zu überfüllte Reise-Hotspots, für viele Städte und Kommunen ein großes Problem.

Obwohl am Tourismus häufig auch viele Arbeitsplätze hängen, haben sich einige Städte und Länder nun dazu entschieden, den Tourismus nach der Pandemie einzuschränken. Indem sie sich beispielsweise auf andere Wirtschaftszweige konzentrieren, wollen sie sich unabhängiger vom Tourismus machen.

"Man hat das ganz krass in Venedig gesehen: Wenn in solchen Städten und Regionen die Touristen wegbleiben, sind da die meisten arbeitslos. Es ist ungesund, sich da so abhängig zu machen."
Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Raus aus der Abhängigkeit

So hat beispielsweise der Tourismusminister von Milford Sound, einem sehr beliebten und deshalb auch überrannten Fjord in Neuseeland, angekündigt, 200 Millionen Dollar zu investieren. Damit sollen Unternehmen unter anderem angeregt werden, sich auf andere Zweige als den Tourismus zu konzentrieren.

"Der Tourismusminister von Neuseeland gibt 200 Millionen Dollar aus. Auch, um Unternehmen zu unterstützen, damit die eventuell was anderes machen als nur Tourismus."
Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Dubrovnik in Kroatien, das als Drehort der Fantasy-Serie Game of Thrones bekannt wurde, hatte bereits vor der Pandemie Maßnahmen gegen den Übertourismus ergriffen. Beispielsweise hatte der Bürgermeister verboten, dass neue Restaurants aufmachen. 80 Prozent der Souvenirshops hatte er ebenfalls schließen lassen. Das soll auch nach der Pandemie so bleiben.

Eine Bucht in Dubrovnik voller bunter Kajaks und vielen Touristen
© Pexels | Rachel Claire
Eine Bucht voller Kajaks und Touristen in Dubrovnik

Auch Peru hatte bereits 2019 eine streng begrenzte Anzahl an Tagesgästen für den Machu Pichu eingeführt. An der Regel möchte das Land auch nach Corona festhalten.

Weniger Touristen als Win-Win-Situation

Doch für Orte, die sich nicht so einfach unabhängig vom Tourismus machen können, bedeuten weniger Touristen deutlich weniger Einnahmen. Könnte man zumindest meinen. Der Tourismusexperte Doug Lansky, der Vorträge hält und Bücher zu diesem Thema geschrieben hat, ist da anderer Meinung: Wenn es in einer Stadt weniger Touristen gibt und man nicht durchgehetzt wird, dann geben die verbleibenden Touristen auch mehr Geld aus.

Das Reiseziel wirke authentischer und die Städte könnten ein höheres Level an Service anbieten. Außerdem gebe es dann anstatt von Kreuzfahrttouristen, die wenig kaufen und weder vor Ort zu Abend essen noch übernachten, mehr Gäste über mehrere Tage.

"It keeps the destination more authentic. Keeps the service and experience high. And attracts more overnight guests. This will increase the amount each visitor spends."
Doug Lansky, Tourismusexperte

Durchschnittlich würden dann die wenigen Touristen auch mehr Geld am Reiseziel lassen, sagt Doug Lansky.

Neuseeland setzt auf Luxus-, Prag auf Inlandstouristen

Eine Abkehr vom Overtourism kann allerdings auch bedeuten, dass einige Reiseziele teurer werden. Milford Sound in Neuseeland möchte beispielsweise mehr auf Luxus-Reisen setzen und weniger auf Backpackerinnen und Backpacker. Kritiker sagen hier: Vorsicht, denn Rucksacktouristen könnten die Luxus-Reisenden von morgen sein, mit denen man es sich nicht verspaßen sollte.

Städte wie Prag fahren eine andere Taktik. Viele Unterkünfte werden nur noch auf tschechischen Webseiten angeboten, um damit mehr einheimische Touristen anzulocken. Deshalb sind die Unterkünfte in den letzten Monaten sogar teilweise billiger geworden.

"Prag möchte eine Mischung hinkriegen, damit die Stadt nicht zu einem Disneyland ohne Einwohner und ohne tschechische Kultur wird."
Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christian Schmitt über Overtourism in Prag

Doug Lansky sieht darin viele positive Aspekte: Es sei besser für die Lebensqualität der Einheimischen, besser für die Umwelt und die Kultur und eine authentischere Erfahrung für die Besucherinnen und Besucher. Je weniger Touristen zugelassen werden, desto beliebter würden auch die Orte werden – auch zu Off-Season-Zeiten.