Volle Radwege, betrunkene Partytouristen und überall nur noch Airbnb-Wohnungen. In manchen Städten ist der Tourismus außer Kontrolle. Anwohner sind genervt, aber auch Touristen erkennen im Overtourism ein Problem. 

Barcelona ist vielleicht eines der krassesten Beispiele in Europa: Die Einheimischen fühlen sich hier wegen der Touristenmassen eben nicht mehr heimisch, teilweise schlägt das in Hass um. Das Problem nennt sich Overtourism. Wolfgang Strasdas, Professor für Nachhaltigen Tourismus, sagt, dass es in Barcelona auch große Proteste gegen die vielen Touristen gab und gibt.

"In Barcelona hat es die meisten Proteste gegeben. Da haben wir alles: Airbnb, Kreuzfahrten, große Touristengruppen aus allen Herren Länder. Deswegen sind die Proteste dort am massivsten gewesen in der letzten Zeit."

Das Phänomen sei aber nicht neu, so Strasdas. Das habe in den 1980ern angefangen, als die Alpen massiv erschlossen wurden. Auch auf Mallorca gab es schon Proteste in den 90er Jahren, erklärt Strasdas. Nach den Bergen und Stränden sind die Touristenmassen jetzt auch in den Städten angekommen. Letztes Jahr waren 1,3 Milliarden Touristen in der Welt unterwegs - mehr als je zuvor. Und in den nächsten Jahren wird die Zahl weiter wachsen. Um drei bis vier Prozent pro Jahr!

Überlaufene touristische Highlights

Immer mehr Menschen können sich das Reisen leisten. Die Touristen kommen aus Europa, den USA und vor allem auch aus Asien. Für diese Reisenden aus Asien ist Europa immer noch was ganz Neues, so Strasdas. "Die möchten sich erstmal touristische Highlights angucken. Barcelona, Paris, London, Venedig und so weiter."

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Touristen aus Asien wollen dann vielleicht einen typisch deutschen Döner essen oder den Hype-Laden Mustafas Gemüse-Kebap in Berlin besuchen. Kebap-Buden-Besitzer und andere, die in der Gastronomie und im Tourismus arbeiten, freuen sich natürlich über all die Gäste, die jede Menge Geld in die Kassen spülen. Aber die Metropolen-Bewohner sind oft nur noch genervt - Anna Driftmeier etwa. Sie lebt in Amsterdam.

"Die Radwege sind voll, man muss in der Innenstadt absteigen und schieben, weil es so voll ist mit Touristen. Auch Wohnungen zu finden ist schwer, denn Amsterdam hat ein großes Airbnb-Problem."
Anna Driftmeier wohnt in Amsterdam

Amsterdam hat das Problem des Overtourism erkannt und feilt an Lösungen. Die Anzahl an Souvenirläden wurde limitiert und das Bierbike wurde verboten. Anne erzählt, Amsterdam habe auch eine Kampagne aufgelegt, um Leute nach Haarlem zu locken! Die Stadt liegt außerhalb von Amsterdam im Nordwesten der Niederlande. 

Wenn man bedenkt, dass gut ein Viertel aller Touristen bei einer Befragung angegeben haben, dass ihr Reiseziel zu überlaufen sei, stellt sich wirklich die Frage: Muss es denn unbedingt Mustafas Gemüse-Kebap in Berlin sein? Auch Wolfgang Strasdas rät, man solle doch als Tourist auch mal die Städte besuchen, die nicht ganz so abgefeiert werden.

"Es muss nicht immer Berlin sein. Es kann auch Leipzig sein, eine Stadt, wo sich gerade sehr viel tut."
Wolfgang Strasdas, Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde

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