Lange musste Theo Schenkel, 27, um seinen Job bangen. Er ist Lehrer für katholische Religion und trans. Seine sexuelle Orientierung hätte für die katholische Kirche ein Kündigungsgrund darstellen können. Seit Kurzem weiß er aber: Er darf Religionslehrer bleiben – auch wenn er nicht den vollen Segen der Kirche bekommt.

Theo Schenkel hat ziemlich aufregende Monate hinter sich. Ende Januar 2022 war er Teil von #OutInChurch – dem größten Coming-out innerhalb der katholischen Kirche. 125 Mitarbeitende der katholischen Kirche haben sich damals als queer geoutet und eine "Kirche ohne Angst" gefordert.

Eigenes Arbeitsrecht der Kirche

Für Mitarbeitende der Kirche gilt nämlich ein eigenes Arbeitsrecht. Das hat zur Folge, dass Mitarbeitende, die beispielsweise homosexuell sind oder eine homosexuelle Ehe eingehen, aus diesem Grund gekündigt werden können. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz greift in diesem Fall nicht. Auch die Kirche offen zu kritisieren, kann nach dem Arbeitsrecht ein Kündigungsgrund sein. Mit seiner Teilnahme an #OutInChurch hat Theo aber genau das getan. Er wusste also nicht, welche Konsequenzen sein Handeln haben würde.

"Vor allem bei queeren Menschen ist das immer so: Es wird sehr viel geduldet, aber man soll halt bitte nicht drüber reden."
Theo Schenkel, katholischer Religionslehrer und trans

Bei seiner Geburt wurde Theo das weibliche Geschlecht zugeordnet. Sein ganz persönliches Coming-out hatte er im Sommer 2020 – danach hat er seinen Namen geändert und begonnen, das männliche Pronomen für sich zu verwenden. Und auch die Transition, also die Geschlechtsangleichung, startete er kurz danach.

"Das Gefühl, sich jetzt im Gesicht rasieren zu können, ist reine Euphorie."
Theo Schenkel, katholischer Religionslehrer und trans

Die körperlichen Veränderungen sind für Theo immer wieder kleine Freudenmomente. Doch die Beweispflicht, die mit dem sogenannten "Transsexuellen-Verfahren" einhergeht, ist auch eine psychische Belastung. Denn Theo muss nachweisen, dass er sich auch wirklich als Mann fühlt. "Man fühlt sich enorm abhängig", sagt Theo, "eine fremde Person, die ich nicht kenne, wird darüber entscheiden, ob ich wirklich ein Mann bin und ob ich wirklich als Mann leben darf." Auch wenn das Verfahren selten abgelehnt wird, wie Theo sagt, bleibt eine Unsicherheit.

"Es kann jeden Tag der Gerichtsbescheid kommen, der sagt: 'Ne, sie müssen weiter als Frau leben.'"
Theo Schenkel, katholischer Religionslehrer und trans

Die katholische Kirche wird ihn so oder so weiter als Frau führen, sagt Theo. Denn sie wird nach aktueller Regelung keine Personenstandsändeurng akzeptieren. Deshalb würde es als homosexuelle Ehe gelten, wenn Theo seine Freundin heiratet. "Laut Grundverordnung für den Dienst in der Kirche wäre das eigentlich ein automatischer Kündigungsgrund", sagt er.

Theo darf unterrichten

Inzwischen hat er aber gute Nachrichten aus dem zuständigen Erzbistum Freiburg. "Ich hab seit Kurzem die Zusage, dass ich weiter unterrichten darf", sagt Theo – auch wenn er seine Freundin heiratet. Allerdings ist die unbefristete Lehrerlaubnis für Theo eine Einzelfallentscheidung und keine Grundsatzentscheidung. Und Theo bekommt auch nicht den vollen Segen der Kirche, sondern eine leicht abgestufte Lehrerlaubnis. "In der Praxis hat es keinen Unterschied, es ist einfach sozusagen nicht das Gütesiegel, was bei den anderen noch drauf klebt", sagt er.

Theo hofft, dass sich das kirchliche Arbeitsrecht grundsätzlich ändert und auch andere queere Menschen keine Angst mehr vor einer Kündigung haben müssen. Die deutschen Bischöfe arbeiten im Moment an einer Änderung des Kirchenarbeitsrechts – es könnte also sein, dass sich da bald etwas ändert.

Warum Theo trotz der Ungleichbehandlung weiter in der katholischen Kirche ist, und ob es einen Punkt gibt, an dem er die Kirche verlassen würde, hört ihr im Deep Talk.

  • Deep Talk
  • Moderatorin:  Rahel Klein