Mit Torf zu heizen, hat in Irland eine sehr lange Tradition, allerdings ist die Klimabilanz schlecht. Immer mehr Iren steigen deshalb nicht nur auf Holz zum Heizen um, sondern versuchen auch aktiv die Moore zu renaturieren.

Marian Duffy und ihr Mann Martin aus dem kleinen Örtchen Cornamona in Westirland haben jahrelang mit Torf geheizt. Sie können sich noch gut daran erinnern. Es war wie eine Art Feier, so beschreibt es Martin. Jeder hatte seine eigene Torffläche, man trank Tee, unterhielt sich und machte dabei ein Feuer auf dem Moor.

"Everybody did it. Everybody had their own plot of turf. It was kind of a social thing, really."
Martin Duffy, heizt mittlerweile nicht mehr mit Torf

Vor einigen Jahren sind Marian und Martin aber auf die Heizung mit Holz und Öl umgestiegen. Zu schlecht ist die Klimabilanz von ausgetrockneten Mooren. Deshalb gibt es in Irland auch immer mehr Bemühungen, die ausgetrockneten Moorflächen wieder feucht zu halten und sie zu renaturieren.

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Aufgetürmte Haufen von Torfbriketts für den privaten Heizgebrauch

Trockene Moore geben Unmengen an CO2 frei

Werden Moore ausgetrocknet, gibt der ausgetrocknete Torf viel CO2 in die Luft ab. Sind die Moore feucht, wird das CO2 stattdessen unter der Oberfläche gebunden. Das wird auch als CO2-Senke bezeichnet, erklärt Florence Renou-Wilson. Sie ist Biologon vom University College Dublin und forscht bereits seit 20 Jahren zu Torf. Jeden Tag würden ausgetrocknete Moore CO2 in die Atmosphäre abgeben, berichtet Florence Renou-Wilson.

"Every day a drained bog is emitting carbon to the atmosphere. Every day, constantly."
Florence Renou-Wilson, Biologon vom University College Dublin

Sind die Moore wieder feucht, würde Irland zumindest aus CO2-Perspektive besser dastehen und die Biodiversität könne nach und nach zurückkehren, sagt Florence weiter.

Die Renaturierung des Carrownagappul-Moors

Paul Connaughton war auch einmal leidenschaftlicher Torfstecher. Jetzt engagiert sich der frühere konservative Parlamentsabgeordnete bei dem Renaturierungsprojekt The Living Bog. Dabei soll unter anderem das durch Torfstechen ausgetrocknete Moor in seiner Heimatregion County Galway wieder bewässert werden, das Carrownagappul-Moor. Das Projekt wird auch von der EU gefördert.

Damit das Moor wieder genügend Wasser trägt, wurde viel Aufwand betrieben. Mehrere tausend kleine Dämme, die meisten aus Torf, andere aus Kunststoff oder Metall, stauen das Wasser und hindern es so am Ablaufen. Wird das Wasser weiter gestaut, kann das Moor wieder wachsen, erklärt Paul. Vor allem die Hochmoore oder Regenmoore, die "raised bogs", können große Mengen an Wasser speichern. Ihre ursprüngliche Form ist deshalb kuppelförmig – erst durch den Torfabbau sind viele Moore erflacht.

Mit der Renaturierung kommt die Biodiversität

Auch in Bezug auf die Biodiversität hat sich im Carrownagappul-Moor schon einiges getan: Neben dem wichtigen Torfmoos wachsen hier beispielsweise der fleischfressende Sonnentau und wilde Cranberries. Vor allem nachts könne man wieder viele Tiere wie Füchse oder Hasen entdecken, berichtet Paul.

"We put up a night camera, it was amazing, what they found during the night. Foxes and heirs and all that kind of stuff."
Paul Connaughton, setzt sich für die Denaturierung von Mooren ein

Der Schutz der Moore braucht Verständnis in der Bevölkerung

Wichtig ist Paul Connaughton, dass die Renaturierung im Einklang mit der lokalen Bevölkerung vollzogen wird. Die Menschen sollen gut über die Bedeutung der Moore informiert werden, damit sie das Moor in Ruhe lassen.

Ihm ist der Gegenwind sehr bewusst. Er selbst habe als Politiker jahrelang gegen die strengen Umweltauflagen der irischen Regierung und der EU gekämpft. Dabei brauche es nur einen gesunden Menschenverstand, um die wichtige Bedeutung der Moore zu erkennen, gibt Paul Connaughton zu.

"It's amazing what time will do and a little bit of common sense can do."
Paul Connaughton, ehemaliger konservativer Politiker

Im Carrownagappul-Moor mussten mehr als einhundert Familien ihre Torfstücke aufgeben. Einige – auch die die Familie von Paul – haben an einem anderen Ort Ersatz-Flächen bekommen, die meisten eine Kompensation von 1.500 Euro pro Jahr für die kommenden 15 Jahre.

Paul Connaughton hofft, dass das The Living Bog-Projekt Vorbild für die vielen anderen Moore in Irland sein wird. Aber Paul ist sich auch sicher: Manche Menschen werden das Torfstechen niemals aufgeben. Aber diese Gruppe werde immer kleiner und älter. Deshalb glaubt Paul dennoch an ein baldiges "Game Over" beim Torfstechen in Irland.