Eine psychologische Studie, die einen genau definierten Ablauf hat, sollte wiederholbar sein und zum selben Ergebnis führen. Das wäre wissenschaftlich sauber. Eine Untersuchung stellte nun fest, dass das nur für 50 Prozent der Studien gilt.

Für die Studie "Faces of Success" wurden Studenten Fotos von Geschäftsführern gezeigt. Die Probanden sollten einschätzen, wie erfolgreich die verschiedenen Unternehmenschefs sind. Als die Studie zum ersten Mal durchgeführt wurde, funktionierte das auch ganz gut. Die Studenten schätzten die Geschäftsführer anhand ihres Aussehens weitgehend richtig ein. Das wäre ein Beleg dafür, dass wir unbewusst Zeichen des Erfolgs an Gesichtern wahrnehmen können. Und wir gehen bei einer Studie im Allgemeinen davon aus, dass das Ergebnis stimmt. Ob das wirklich so ist, untersuchte das Team um den Wissenschaftler Brian Nosek von der US-Universität Virginia.

"Die Wiederholbarkeit ist ein Fundament der Wissenschaft. Dass das so instabil ist, das hat dieser systematische Check recht spektakulär herausbekommen."

Sozialpsychologe Brian Nosek wollte wissen, wie valide, also wie gültig, psychologische Studien sind. Dafür müssten sie, wenn man dem Versuchsaufbau des Originalexperiments folgt und unter den gleichen Bedingungen testet, auch wiederholbar sein. Eine der Studien, die man dabei von Neuem durchgeführt hat, war die "Faces of Success"-Studie.

Keine Reproduzierbarkeit stellt Gültigkeit infrage

Bei der Wiederholung des Experiments stellte sich nicht dasselbe Ergebnis ein. Bei einem Ausnahmefall hätte man vielleicht darüber hinwegsehen können. Aber das Team um Brian Nosek kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Nur in der Hälfte der Fälle konnten die Forscher das Ergebnis aus den Originalstudien reproduzieren, wenn sie das Experiment genau so durchführten, wie im Original beschrieben.

"In einer Untersuchung konnten von 53 wichtigen Studien aus der Krebsforschung nur sechs mit demselben Ergebnis wiederholt werden. Es ist wohl alles eher die Spitze eines Eisbergs."

Bei dieser hohen Fehlerquote schadet es nicht, skeptisch zu sein. Aber andererseits: Besonders wichtige oder spektakuläre Ergebnisse, die auch gesundheitliche Konsequenzen haben können, beispielsweise Experimente für die Medikamentenentwicklung, werden automatisch von mehreren anderen Wissenschaftlern wiederholt. Wenn die Ergebnisse nicht mit dem ursprünglichen Resultaten übereinstimmen, folgt eine genauere Überprüfung.