Für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 wurden die Favelas in Rio de Janeiro mit viel Aufwand, Geld und Medienecho befriedet. Doch mit der Wirtschaftskrise kamen die Drogengangs zurück. 

Der Friede war nur von kurzer Dauer: Die Zeiten, dass Touristen durch die Favelas wandern können, sind längst wieder vorbei. Die Gewalt auf den Straßen Rios nehme definitiv wieder zu, sagt unser Südamerika-Korrespondent Ivo Marusczyk.

"Allein im Staat Rio de Janeiro, Stadt und Umland, gab es im letzten Jahr 5033 Morde."
Ivo Marusczyk, ARD-Südamerika-Korrespondent

Und zwar nicht erst seit den olympischen Spielen, sondern schon seit der Fußball-WM 2014, also quasi seit es Brasilien wirtschaftlich schlechter gehe. Die Warnungen, bloß nicht in die Favelas zu gehen – oder auch nur in die Nähe – seien ständig zu hören.

Die Siedlungen aus selbst zusammengezimmerten Hütten, die sich die steilen Hügel Rios hinaufziehen, sind vom berühmten Ipanema-Strand aus zu sehen. Die Armenviertel liegen unmittelbar neben den Vierteln der Reichen.

Die "Befriedungs-Einheiten" ziehen sich zurück

Im Jahr 2010 hat das Militär die Favelas mit Gewalt "befriedet". Danach wurden eigene Polizei-Einheiten gebildet, die "Befriedungs-Einheiten". Sie sollten für einen regelmäßigen Kontakt zwischen den Bewohnern und der Polizei sorgen, um damit vor allem den Einfluss der Drogengangs zu reduzieren. Das Ganze habe aber nur ein paar Jahre funktioniert, so Marusczyk.

"Nach der WM ging dem Staat das Geld aus und die Polizei-Einheiten zogen wieder aus den Favelas ab."
Ivo Marusczyk

Eine andere Tatsache macht die Situation noch brisanter: Denn der Waffenstillstand zwischen den beiden größten Drogen-Syndikaten Brasiliens, der noch bis vor ein bis zwei Jahren Bestand hatte, gilt inzwischen nicht mehr. Die Polizei zieht sich also zurück und die beiden Drogen-Clans kämpfen um Macht und Einfluss.

Korruptions-Sumpf

Politisch sei inzwischen der ganze Boom, der durch WM und Olympia ausgelöst wurde, im Korruptions-Sumpf versunken. Die politische Führung habe sich mit Millionenbeträgen schmieren lassen. Das Vertrauen in die Politik sei am Boden, so Marusczyk

"Kein Mensch glaubt einem Politiker auch nur ein Wort in Brasilien."
Ivo Marusczyk

Marusczyk hat das Gefühl, dass eine gewisse Resignation herrsche. Die Menschen richteten sich mit der Gewalt in ihrem Alltag ein: In Berlin oder Köln schaut man nach der Arbeit auf sein Handy, ob der Zug pünktlich kommt. In Brasilien gibt es Facebook und Whatsapp-Gruppen, in denen berichtet wird, in welchen Favelas gerade Schießereien stattfinden.