Die Droge GHB, auch G genannt, wird vor allem in der Technoszene seit einigen Jahren immer beliebter. Das Problem: Die Flüssigkeit kann schnell überdosiert werden. Ein paar Tropfen zu viel und der Rausch endet im Krankenhaus – oder noch schlimmer: im Grab.

Jetzt, da die Clubs in Deutschland wieder aufhaben und getanzt wird, wird es auch wieder Leute geben, die sich bis zur totalen Erschöpfung verausgaben – und manchmal auch darüber hinaus. Das liegt mitunter auch am Drogenkonsum. Sorgen macht Szenekennern die Droge G, die schon vor der Pandemie immer beliebter wurde. Patrick Erhardt ist Veranstalter und Vorstand des Berliner CSD. Er hat gesehen, wie Menschen an GHB gestorben sind, sagt er. Was die Droge außerdem gefährlich macht: Sie ist kostengünstig und einfach zu beschaffen.

"Ich habe gesehen, dass Menschen daran gestorben sind."
Patrick Erhardt, Veranstalter und Vorstand des Berliner CSD

G oder GHB ist die Abkürzung von Gammahydroxybutyrat. Seit 2002 gilt sie laut Betäubungsmittelgesetz als verbotene Substanz. Eine der Vorstufen heißt Gammabutyrolacton (GBL). GBL ist frei erhältlich, denn es ist ein Lösungsmittel, das zum Beispiel als Graffiti-Entferner eingesetzt wird. Aber nicht nur: Im Körper wird GBL zu der verbotenen Substanz GHB.

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Diverse Berliner Clubs haben schon lange eine Zero-Tolerance-Politik. Sie möchten nichts mit dieser Droge zu tun haben. Der Grund: Eine Überdosis von G, vor allem in Kombination mit Alkohol, kann zum Tod führen. Die Berliner Dragqueen Fixie Fate hatte Glück, sie ist 'nur' umgekippt. "Das erste Mal als ich abgeschmiert bin, habe ich die Augen einfach nicht mehr aufbekommen. Und dann bin ich einfach zur Seite gefallen", sagt sie.

Das Sicherheitsteam des Clubs muss dann schnell eingreifen: Stabile Seitenlage, Vitalwerte überprüfen, eventuell den Krankenwagen rufen. Kommen solche Vorfälle häufiger vor, geraten Clubs in Verruf.

Todesfälle sind ein Tabuthema in der Szene

Rüdiger Schmolke, genannt Rü, arbeitet bei Sonar Berlin, einem Projekt für Drogenaufklärung und sicheres Feiern. Seit dem Wochenende sind er und seine Mitarbeiter*innen wieder mit Infoständen in diversen Clubs anzutreffen. Doch auch während der Clubschließungen hatten Rü und seine Leute gut zu tun.

"Ein Tod wie dieser kommt öfter vor, als Technofans sich eingestehen wollen. Allerdings wird nicht darüber gesprochen. G ist ein Tabuthema."
Gesine Kühne, Deutschlandfunk Nova

Im Sommer kam es zu einem tragischen Tod während einer Open-Air-Party eines Berliner Clubs. Eine junge Frau hatte mit G überdosiert und starb. Solche Todesfälle kommen häufiger vor, als sich die Technoszene eingestehen will. G ist ein Tabuthema. Sonar Berlin möchte das mit Safer-Use-Workshops ändern.

Trotz als Reaktion auf Anti-G-Aktionen

Nach dem Tod, der öffentlich bekannt gemacht wurde, haben Clubs, Veranstaltenden und Berliner Clubcommission eine Plakataktion ins Leben gerufen, die klare Kante gegen G zeigt: "Liberté, Egalité, NO GHB" lautet nur einer der vielen Plakatslogans, die man in Berlin sehen kann.

Für viele G-Gegner sei das aber der falsche Weg, da damit zum einen Nutzer*innen verurteilt würden und zum anderen würde das bei jungen Konsument*innen eine Art Rebellionsverhalten hervorrufen, sagt Drogentherapeut und Techno-DJ Vincent Neumann.

"Für einige ist es ein Drahtseilakt. Sie wissen ganz genau, es ist schwierig, mitunter gefährlich. Das ist für manche dann neben dem, was die Droge an sich hervorruft, nochmal ein sekundäres High."
Vincent Neumann, Drogentherapeut und Techno-DJ

Dass G schnell abhängig macht, physisch und psychisch – das wissen die meisten nicht. Die Tabuisierung und No-G-Politik wird das auch nicht ändern. Dragqueen Fixie Fate fordert deshalb auch einen offeneren Umgang mit den Folgen der Droge, Türsteher*innen, die keine Angst verbreiten und ganz viel Aufklärung.