In digitaler Hinsicht ist 2019 für den Grünen-Politiker Robert Habeck schlecht gestartet: Er ist wie andere Politiker auch vom massenhaften Datenklau betroffen. Dann gab es einen Shitstorm wegen eines misslungenen Videos. Als Konsequenz steigt der Politiker bei Facebook und Twitter aus.

Anfang Januar wurde bekannt, dass im Laufe des Dezembers massenweise private Daten von Politikern und Prominenten geklaut und veröffentlicht wurden. Zu den Betroffenen gehört auch Robert Habeck. Private Daten von ihm wurden auf Twitter geleakt. In dem Fall des Hackerangriffs hat die Polizei am Dienstag (08.01.19) einen Tatverdächtigen festgenommen: Es ist ein 20-jähriger Schüler aus Mittelhessen.

Blamables Thüringen-Video

Aber Robert Habeck war in den vergangenen Tagen nicht nur mit dem Datenklau beschäftigt. In einem Clip für den Wahlkampf in Thüringen hatte er gesagt, dass die Grünen alles versuchen, damit Thüringen wieder ein demokratisches Land wird. Das Video wurde auf Twitter gepostet und sorgte für einen Shitstorm.

Robert Habeck erklärte das Posting damit, dass das Video vor rund zwei Monaten am Rande eines Parteitages und eher zwischendurch aufgenommen worden sei. Es sei ein Versprecher: Er habe sagen wollen, dass Thüringen offen und liberal bleibt - nicht wird. "Das ändert nichts daran, dass das Desaster für die Grünen und das Echo vor allem in Ost-Deutschland eher verheerend ist", sagt Theo Geers aus dem Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio.

Theo Geers, Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio
"Es geht nicht um diesen Versprecher, den sich Habeck geleistet hat. Es geht um das Besserwisserische und das Belehrende, das den Grünen anhängt."

Als Konsequenz stieg Robert Habeck aus Twitter und Facebook aus. Er löschte seine Accounts. In einem Blogeintrag erklärt er seinen Schritt: "Offenbar triggert Twitter in mir etwas an: aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein – und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen. Offenbar bin ich nicht immun dagegen", schreibt Robert Habeck.

Schlechte Ausrede oder mutige Entscheidung?

Die Entscheidung von Robert Habeck wird im Netz kontrovers diskutiert. Thomas Knüwer zeigt sich in seinem Blog Indiskretion Ehrensache enttäuscht von Robert Habeck. Der Politiker mache gleich in beiden Punkten – beim Posten des Videos sowie bei der Datenklau-Affäre - die Plattformen für etwas verantwortlich, das er selbst verbockt habe. Vermutlich sei der Zugriff auf seine Accounts auch möglich gewesen auf Grund eines schwachen Passwortes. Robert Habeck verhalte sich damit so technikfeindlich wie der klassische deutsche Bildungsbürger.

Thomas Knüwer rät dem Grünen-Politiker, ein Team zu beauftragen, das für ihn filtert und verwaltet. Eben damit er nicht offline geht, sondern die sozialen Medien als Debatten- und Kommunikationsweg weiterhin nutze. Doch gerade die Tatsache, dass der Politiker selbst twitterte und blockte, habe seine Aussagen authentisch gemacht, sagt unser Netzreporter Michael Gessat.

Das Fazit: Mehr Disziplin

Ob Robert Habeck der Rückzug von Twitter und Facebook schadet, muss sich zeigen. Vielleicht sammelt er Sympathiepunkte damit.

Aber ein Fazit lässt sich ziehen, so Michael Gessat. Und zwar aus dem misslungenen Video Robert Habecks sowie aus dem massenhaften Datendiebstahl. Wir sollten uns alle fragen: Haben wir unsere Accounts genügend abgesichert? Und: Müssen wir jeden Quatsch auf den sozialen Medien teilen?

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  • Bundesamt für IT-Sicherheit ging von Einzelfällen aus | Klar ist, dass massenweise private Daten von Politikern und Prominenten geklaut und veröffentlicht wurden. Nun gibt es Kritik am Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik sowie an Innenminister Horst Seehofer. Ist das gerechtfertigt? Teils ja, sagt Dlf-Hauptstadt-Korrespondentin Gudula Geuther.
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