Jedes Mal das Gleiche: Man öffnet den Briefkasten und bevor die wichtige Post zum Vorschein kommt, fällt einem erstmal ein Schwall Werbung entgegen. Wer das nicht mehr möchte, kann sich auf den Robinsonlisten eintragen.

Keine Rabattcodes im Briefkasten, keine Werbung per SMS und keine nervigen Anrufe mehr – das ist das Ziel der Robinsonlisten des Deutschen Dialogmarketing Verbands (DDV) und des Interessenverbandes Deutsches Internet e.V. (I.D.I). Wer sich beim DDV einträgt, bekommt keine adressierte Post mehr in den Briefkasten, durch das Eintragen auf der Robinsonliste des I.D.I. wird man zusätzlich noch von Telefonanrufen verschont. Dabei kann man entweder ganz gezielt Werbung für Autos oder Versicherungen ausschließen oder einfach alle Werbungen blocken lassen.

Das Eintragen in die Listen ist für uns Verbraucherinnen und Verbraucher kostenlos. Allerdings gilt unser Wunsch, von Werbung verschont zu bleiben damit nicht verbindlich für alle Unternehmen. Die meisten von ihnen halten sich aber freiwillig daran und zahlen sogar Geld dafür, die Listen einsehen zu können, da sie dadurch enorm viel Porto sparen, erklärt Hans-Jürgen Schäfer vom DDV.

"Die Robinsonliste verfolgt das Ziel, dem Bürger möglichst wenig adressierte Werbung zukommen zu lassen, wenn er das wünscht."
Hans-Jürgen Schäfer, Deutscher Dialogmarketing Verband

Etwa 90 Prozent der Werbesendungen, die in Deutschland verschickt werden, sind mit der Robinsonliste abgeglichen, so Hans-Jürgen Schäfer weiter.

Nur bei Neukundenstatus

Das Eintragen in die Listen schützt uns aber nur bei einem Neukundenstatus. Ist man also bei einem Unternehmen noch Kunde, dann bekommt man trotzdem weiterhin Werbung. In diesem Fall hilft dann nur das direkte Anschreiben mit der Bitte um das Entfernen aus dem Werbeverteiler.

Steht man auf der Liste und bekommt von einer Firma, die man noch nicht kannte, Werbung, sei das nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass die Firma unseriös handele. Für manche Firmen – wie einem kleinen Autohaus um die Ecke – lohne es sich einfach nicht für das Einsehen in die Liste zu zahlen, erklärt Michael Bernecker, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Marketing.

"Wenn man große Datenbestände hat, also ein großes Unternehmen hat, macht das Sinn. Wenn ich das Autohaus um die Ecke bin, dann sind die Kosten da meistens in keinem Verhältnis."
Michael Bernecker, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Marketing

Fehlendes Vertrauen

Auf der Robinsonliste des DDV stehen mittlerweile 1,1 Millionen Menschen. Allerdings dürften es in Summe etwas weniger sein, da jeder Name – bei dem es naheliegend ist – mit verschiedenen Schreibweisen aufgeführt wird. Ein "Henri" taucht beispielsweise auch als "Henry" und "Henrie" auf. Dasselbe gilt auch für Nachnamen, die mal mit einem, mal mit zwei "n" geschrieben werden können.

Michael Bernecker glaubt, dass die vergleichsweise geringe Zahl der eingetragenen Personen daran liegen könnte, dass viele Menschen der Liste noch nicht genug vertrauen, da sie nicht von einer staatlichen Institution, sondern von Seiten der Industrie gepflegt wird.

"Wenn so eine Liste von der Industrie selber gepflegt wird, gibt es sowohl von den Medien, als auch von vielen Menschen außerhalb den Vorwurf, dass das nicht gut funktionieren würde."
Michael Bernecker, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Marketing

Er persönlich könne die Skepsis allerdings nicht nachvollziehen und findet die Robinsonliste sehr praktisch. Das Einzige, woran man denken sollte: Nach fünf Jahren werden die Daten immer wieder gelöscht, da sie oft durch Umzüge oder Namensänderung veralten. Wer also Interesse hat, sich in den Listen einzutragen, sollte sich gleichzeitig einen Reminder auf fünf Jahre später stellen, damit die neu gewonnene werbefreie Lebenszeit auch in Zukunft werbefrei bleibt.