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Die Nachfrage nach deutschem Holz ist im Ausland gerade sehr hoch, vor allem in China und den USA. Außerdem werkeln in der Pandemie mehr Leute als sonst zuhause herum. Die Folge: Das Holz wird knapp, die Preise steigen und die Handwerksbetriebe haben es schwer, ihre Aufträge abzuarbeiten.

Der Rohstoff Holz steht gerade hoch im Kurs, die Nachfrage im In- und Ausland ist groß. Dafür sorgt der Bauboom in Coronazeiten. 20 Millionen Festmeter Rund- und Schnittholz wurden 2020 exportiert, sagt der Bundesverband der Deutschen Säge- und Holzindustrie; das ist eine Steigerung von über 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Export nach China und in die USA

Mehr als die Hälfte der Holzmassen wurde nach China geliefert, wo sich der ohnehin vorhandene Bauboom nach der überstandenen Pandemie noch einmal verstärkt hat. Auch die USA sind ein großer Abnehmer. Dort ist die Versorgung aus Kanada nicht so gewährleistet wie sonst – wegen Waldbränden und den Strafzöllen von Ex-Präsident Trump.

"Das größte Problem momentan ist der Holzpreis. Und die Lieferzeiten: Der ausländische Markt nach China und in die USA saugt das Rohmaterial weg."
Thomas Stelle, Zimmermann in Stendal

Das größte Problem momentan ist der Holzpreis, sagt Thomas Stelle. Der Zimmermann aus Stendal in Sachsen-Anhalt ist seit vielen Jahren in der Branche unterwegs und kennt das Problem gut. Seit März sei der Preis nach oben geschossen, inzwischen habe er sich verdoppelt.

Die Lieferzeiten seien gerade länger als sonst. Vor allem der chinesische und der amerikanische Markt saugten das Rohmaterial weg, sagt er. Die Sägewerke hätten sich auf den Export eingestellt, weil sie damit zur Zeit wesentlich mehr verdienen als auf dem heimischen Markt.

Sechs bis acht Wochen Lieferzeit

Die Lieferzeiten der Hölzer von Thomas Stelle liegen gerade bei sechs bis acht Wochen, hat er uns erzählt. Außerdem könnten die Sägewerke teilweise gar nicht liefern, weil ihnen das Rohmaterial für die Querschnitte fehlt, die er in seiner Zimmerei braucht, berichtet er.

"Irgendwann sind auch die Lagerbestände aufgebraucht."
Thomas Stelle, Zimmermann in Stendal

Unter der Materialknappheit litten momentan quasi alle Zimmereibetriebe. Glück habe, wer sich ein größeres Materiallager angelegt hat. Solange das noch ging und die Preise einigermaßen moderat waren, hätten viele Betriebe "Material gebunkert", um jetzt damit arbeiten zu können.

Viele Bauträger zum Beispiel hätten ihre Häuser oder Carports schon vor einem halben Jahr geplant – zu einem festen Preis. Wenn die Holzkosten jetzt plötzlich auf das Doppelte steigen, führe das natürlich zu Problemen – und Stress mit den Kunden sei vorprogrammiert.

Durch das Aufarbeiten alter Lagerbestände werde versucht, das Ganze ein bisschen abzufedern. Doch gerade sei Hauptsaison und es würden sehr viele Dachstühle benötigt. Sein Betrieb verarbeite täglich sehr viel Holz und dadurch gingen die Lagerbestände natürlich sehr schnell zur Neige.

Dachlattenpreis hat sich verdreifacht

"Kreativ" mit der Situation umzugehen und einfach andere Hölzer zu benutzen, sei praktisch auch nicht möglich. Denn ein Dachstuhl etwa aus Eichenholz sei wesentlich teurer als der Standard aus Konstruktionsvollholz (KVH), das aus Fichten oder Tannen gewonnen wird. Doch genau dieses Holz ist rar. Die Preise für Dachlatten haben sich verdreifacht, erzählt Thomas Stelle – von 80 Cent auf fast zwei Euro.

"Eine Dachlatte hat sich von 80 Cent auf fast zwei Euro erhöht – und es ist kein Ende abzusehen. Eine solche Situation hatten wir in Deutschland noch nie."
Thomas Stelle, Zimmermann in Stendal

Die Händler fingen bereits an, ihr Material frühzeitig an die Firmen zuzuteilen, damit kein Ramsch betrieben wird. Momentan sei noch kein Ende der Spirale abzusehen. Wenn es so weitergeht, wird der Baumarkt wahrscheinlich nächstes Jahr zusammenbrechen, glaubt Thomas Stelle – weil Bauen dann so teuer ist, dass es sich fast niemand mehr leisten kann.