Der Charlie-Hebdo-Wagen, der beim Kölner Rosenmontagsumzug mitrollen sollte, bleibt in der Garage. Über die Entwürfe für den politischen Festwagen war publikumswirksam bei Facebook abgestimmt worden. Das Festkomitee des Kölner Karnevals hat sich jetzt aber gegen den Wagen entschieden.

In zwei Wochen drehen wieder alle durch: Die Hochphase des Karnevals beginnt. Von Köln über Düsseldorf bis nach Mainz wird gefeiert, geschunkelt und gebützt. Beim Rosenmontagszug darf dann auch ein bisschen Kritik und politische Meinung dabei sein. In Köln jetzt aber scheinbar doch nicht.

"In der offiziellen Pressemitteilung heißt es: 'Einen Persiflagewagen, der die Freiheit und leichte Art des Karnevals einschränkt, möchten wir nicht.' Einige Kölner hätten sich gemeldet und Sorgen geäußert."

Auf dem Wagen sollten zwei Figuren stehen: ein Jeck mit Pappnase und einem Gürtel mit Stiften und ein maskierter Mann mit einem Sprengstoffgürtel und einem Gewehr, das er auf den Jecken richtet. Und dieser Jeck sollte dem Angreifer dann einen Stift in den Gewehrlauf stecken. Dazu wollte man die Porträts der getöteten Karikaturisten von "Charlie Hebdo" auf den Wagen malen. Und - als Appell für die Presse- und Meinungsfreiheit - den Satz "Ich bin Charlie".

Zwei Lager

Bei allem Alkohol und aller Oberflächlichkeit ist der Karneval ja auch dafür bekannt - besonders die Rosenmontagszüge - aktuelle und politische Ereignisse satirisch zu kommentieren. In Köln - und bestimmt nicht nur da - gibt es jetzt zwei Lager: Die Karnevalisten, denen die politische Dimension wichtig ist und die den Rückzug des Wagens vehement ablehnen. Und die Feierwütigen, denen es wichtiger ist, einfach in Ruhe feiern zu können.

"Dass die Entscheidung sicherheitstechnische Gründe hat, bestreitet das Festkomitee Kölner Karneval."
Kerstin Ruskowski

Verschiedene Medien hatten berichtet, dass Karnevalsgruppen und -vereine Angst hätten, im Kölner Rosenmontagszug mitzulaufen. Konkret: Angst, dass der Charlie-Hebdo-Wagen vielleicht einen Anschlag provozieren könnte. Diese Berichte nennt das Festkomitee Kölner Karneval in seiner Pressemitteilung "schlichtweg falsch". Demnach bestand und besteht angeblich keinerlei Risiko für den Kölner Rosenmontagszug - weder für die Teilnehmer noch für die Besucher.