Jahrelang hat sie hart trainiert, die Olympischen Spiele waren ihr großer Traum und ihre Teilnahme in Tokio so gut wie sicher — dann kam Corona. Warum Ruderin Carlotta übers Aufgeben nachgedacht hat, erzählt sie im Interview.

Sie trainiert zwei bis drei Mal täglich, das macht sie zehn Tage am Stück und hat danach mal einen Tag frei. Dann geht das Ganze wieder von vorne los. Carlottas Alltag ist hart, trotzdem hat sie ihr Ziel fest vor Augen: Sie will im Vierer der Damen bei den Olympischen Spielen an den Start gehen. Doch dann erreicht die Corona-Pandemie auch Deutschland und Ende März werden die Spiele in Tokio abgesagt.

"Da war zuerst ein Loch, weil alles für die Olympischen Spiele geplant war."
Carlotta Nwajide, Ruderin

"Es war eine riesen Enttäuschung für mich, denn in den letzten vier Jahren war alles auf Olympia ausgerichtet." Um sich besonders gut vorbereiten zu können, hat die 25-Jährige sogar ein Urlaubssemester genommen. Doch Corona ändert alles, das Mannschaftstraining liegt auf Eis und stattdessen hat sie auf einmal viel Zeit zum Nachdenken: "Ich wusste erst mal gar nicht, wohin mit mir."

Carlottas Alltag wurde komplett durch den Sport strukturiert

Hinter ihr liegen Jahre der Vorbereitung, des harten Trainings und des Durchhaltens: Vor fünfzehn Jahren hat sie mit dem Rudern angefangen und in ihrer Karriere schon 2018 WM-Silber und 2019 EM-Gold gewonnen. Im nächsten Juli sollen die Olympischen Spiele in Tokio nachgeholt werden, dafür muss Carlotta allerdings noch mal die Quali überstehen.

"Es ist krass, das zwei Jahre hintereinander machen zu müssen", trotzdem hat sie sich entschieden, weiterhin für die Spiele zu trainieren. Auch wenn sie sich manchmal klammheimlich fragt, ob es das alles wert ist.

"Ich wollte jetzt zu Olympia und habe mich schon gefragt, ob ich noch mal ein Jahr so durchhalten kann. Mit dem ganzen Training und dem Druck."
Carlotta Nwajide, Ruderin

Ihr Boot ist zwar für den Wettbewerb qualifiziert, die vier Ruderinnen können sich aber noch nicht sicher sein. "Wenn jetzt jemand kommt und bessere Leistungen bringt, können wir leider ausgetauscht werden." Deshalb muss sie in den nächsten Monaten umso mehr ihr Trainingsniveau bestätigen.

"Ich sehe Rudern gar nicht als Job, sondern als Hobby, das ein bisschen zur Lebensaufgabe geworden ist."
Carlotta Nwajide, Ruderin

Die Olympia-Absage hat zwar Carlottas kompletten Alltag und ihre Zukunftsplanung durcheinander geworfen, trotzdem hält sie an ihrem Traum fest: "Es ist mein Lebensziel, seit ich mit dem Leistungssport angefangen habe, da kann ich jetzt so kurz davor nicht aufgeben."