Die Mannschaft von Saransk spielt in den internationalen Ligen keine Rolle und auch sonst ist Fußball nicht die große Leidenschaft der Bewohner. Trotzdem freuen sie sich auf die internationalen Gäste während der WM 2018. Auch um ihnen zu zeigen, dass dort nicht Bären auf der Straße herumlaufen oder alle Balalaika spielen.

Saransk ist der kleinste der elf Austragungsorte mit rund 300.000 Einwohnern. Die Stadt hat zur WM 2018 extra ein neues Stadion bekommen. Überhaupt ist Saransk recht überschaubar, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungsorte lassen sich gut zu Fuß erreichen, berichtet Deutschlandfunk-Korrespondent Thielko Grieß.

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Zum ersten Mal blickt die Welt auf Saransk als Gastgeberin des größten internationalen Fußballwettbewerbs. Die Mannschaft aus Panama hat ihr Quartier in Saransk bezogen und viele andere Nationalmannschaften aus aller Welt werden zum ersten Mal in der Mordwinien-Arena ihre Füße auf den Saransker Rasen setzen:

  • Peru und Dänemark am 16. Juni
  • Kolumbien und Japan am 19. Juni
  • Iran und Portugal am 25. Juni
  • Panama und Tunesien am 28. Juni
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Das Stadion fasst knapp 45.000 Zuschauer. Ohne die WM hätte man so ein großes Stadium aber eigentlich nicht gebraucht. Die örtliche Fußballmannschaft ist in internationalen Ligen nicht vertreten und selbst in Russland oder der Region spielt die Mannschaft eher eine untergeordnete Rolle – mal 1., aber auch mal 3. Liga. 

"Wir freuen uns total. Das ist eine große Chance zu zeigen, dass bei uns nicht die Bären auf der Straße umherlaufen und nicht nur die Balalaika gespielt wird."
Alexej, Mitarbeiter beim Ticketservice

Es ist ein bisschen verwunderlich, dass Saransk zum Austragungsort erkoren wurde, aber unser Korrespondent Thielko Grieß schreibt das dem guten Marketing der Stadt zu. Die gewinnt durch die Investitionen, die zur Vorbereitung der Weltmeisterschaft getätigt wurden.

Luxus-Hotels für internationale Gäste in Saransk

Für die internationalen Gäste sind zwei Luxus-Hotels, beziehungsweise Wohnungen neu gebaut worden, die erstmal als Unterkunft dienen, berichtet Thielko. Nach der WM stehen dann die Wohnungen zum Verkauf. Vorhanden sind auf jeden Fall 11.000 Plätze. Mehr würden auch nicht benötigt, meint Thielko, da manche Fans sowieso nur fürs Spiel kommen und direkt danach wieder abreisen.

"Ich gehe rein ins Stadion! Ich führe die großen Fußballer an der Hand rein. Am liebsten würde ich Ronaldo hineinführen."
Der 8-jährige Wowa ist Einlaufkind bei der WM 2018 und kickt selbst gerne mit seinen Freunden

Neben dem beschaulichen Saransk ist der Austragungsort Moskau eine Megametropole mit rund 12 Millionen Einwohnern. Im Zentrum ist schon für die WM plakatiert worden und bald werden auch Helfer in roten Shirts auf den Straßen stehen, die den Touristen helfen, zwischen Stadion und Kreml zurecht zu kommen: Schätzungsweise kommen 500.000 Gäste nach Russland.

"Es geht darum, die Städte zu zeigen, das Land zu zeigen. Die russische Gastfreundschaft ist ja nicht nur ein Klischee, natürlich gibt es sie und natürlich freuen sich die Leute."
Thielko Grieß, Deutschlandfunk-Korrespondent in Russland

Auch wenn Fußball in Russland nicht so einen hohen Stellenwert hat wie in traditionellen Fußballnationen wie England, ist die WM ein sehr wichtiges Ereignis für das Land, da ist sich Thielko sicher: "Das ist das Beste, was dem Land gerade passieren kann, dass einfach möglichst viele Ausländer reinkommen, sich ein Bild machen und mit den Leuten ins Gespräch kommen." 

"Die Leute freuen sich sehr, weil ein paar 10.000 Fans aus aller Welt kommen."
Thielko Grieß, Deutschlandfunk-Korrespondent in Russland

Neben der sprichwörtlichen Gastfreundschaft gibt es aber auch eine gewaltbereite Fan-Szene. Die russischen Geheimdienste scheinen diese Szene aber unter Kontrolle zu haben, meint Thielko. Die gewaltbereiten Hooligans sind bekannt. Im Vorfeld des Confed-Cup 2017 in Russland haben die Hooligans Hausbesuche bekommen und es wurden ihnen Stadionverbote erteilt. Sie dürfen sich kaum frei bewegen, was auf der anderen Seite auch zu Kontroversen geführt hat. 

Russland wirkt gerüstet gegen Terror und Hooligans

In Bezug auf die internationale Hooligan-Szene arbeiten die Sicherheitsbehörden zusammen. Insgesamt, berichtet Thielko, ist die Polizei präsenter auf den Moskauer Straßen auch mit Blick auf die Terrorabwehr.

"Mein Eindruck ist, dass Russland ganz gut gerüstet ist."
Thielko Grieß, Deutschlandfunk-Korrespondent in Russland

Durch die WM werden außerdem große Hoffnungen geknüpft: Viele Russen hoffen auf ein besseres Image des Landes, der Politik und der Gesellschaft, aber auch auf Investitionen in die Infrastruktur. 

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