Thomas Hitzlsperger war Nationalspieler. Jetzt ist er für den DFB und die ARD unterwegs - auch in Russland. Wir haben mit dem Funktionär über die WM 2018 und über Minderheitenrechte gesprochen.

Thomas Hitzlsperger ist heute Fußballfunktionär, seit rund einem Jahr Botschafter für Vielfalt beim Deutschen Fußballbund. Er wird während der Fußball-WM auch in der ARD als Experte auftreten. Sein Coming-out, das erste eines Spitzenfußballers in Deutschland, hatte Thomas Hitzlsperger 2014.

2010 spielte der gebürtige Münchner zum letzten Mal für die Nationalmannschaft. Jetzt ist er für den DFB an der Vorbereitung der WM beteiligt. Wir haben mit ihm über die WM in Russland und die Verbindung von Fußball und Politik gesprochen und erreichen ihn in Stuttgart  - er ist auch im Vereinsvorstand des VfB.

Der kritische, deutsche Blick auf Russland

Thomas Hitzlsperger betont, dass von Deutschland aus sehr kritisch auf Russland geblickt werde -  das sei auch berechtigt, wie er meint. Seine Besuche in Russland seien immer gut verlaufen, er sei immer mit einem guten Gefühl zurückgeflogen.

"Ich hatte interessante Begegnungen, so waren meine Eindrücke, aber auch viel Kritik, die aus Deutschland kommt, ist nicht unberechtigt."
Thomas Hitzlsperger, Fußballfunktionär und Ex-Nationalspieler

Positive Äußerungen zu Homosexualität sind in Russland seit 2013 gesetzlich verboten. Das Verbot gilt gegenüber Minderjährigen und grundsätzlich bei medialer Verbreitung. Thomas Hitzlsperger sagt, dass die Gesetzeslage in Russland ihn während seiner Russlandreisen nicht ständig begleitet habe. Das sei für ihn keine Belastung gewesen.

DFB-Präsident Reinhard Grindel, hatte noch vor einer Reise nach Russland 2017 vor dem Confed-Cup gesagt, es gehe darum, welche Botschaften der DFB während der WM senden könne.

Thomas Hitzlsperger war zuletzt bei einem Freundschaftsspiel der U18-Nationalmannschaft in Russland, genauer in Wolgograd. Er meint, dass die internationalen Begegnungen allein schon sehr wertvoll wären, dass direkte Erfahrungen und Gespräche besser seien, als Nachrichten, die zu Hause konsumiert werden. Überraschenderweise würden nicht alle Vorurteile bestätigt.

Ein imposanter Nationalfeiertag

Thomas Hitzlsperger war auch an einem der wichtigsten russischen Nationalfeiertage, dem 9. Mai, in Wolgograd. Für ihn war beeindruckend zu sehen, wie die Spieler das Ende des Zweiten Weltkriegs feierten.

Als ARD-Experte folgt er auf Mehmet Scholl, der nicht über Doping im Fußball sprechen wollte und grundsätzlich den Umgang der ARD, mit Doping für falsch hielt. Thomas Hitzlsperger sagt hingegen, er möchte keine Tabuthemen nennen. Er vermutet, dass auch bei der WM Doping wieder Thema werden könne, hoffe aber, dass der Fußball im Mittelpunkt stehen werde.

"Ich trauen ihnen die Titelverteidigung zu, weil wir einen hervorragenden Kader haben – viele gute Einzelspieler, die als Mannschaft funktionieren."
Thomas Hitzlsperger, Fußballfunktionär und Ex-Nationalspieler

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