Von Wladiwostok bis Kaliningrad: Trotz des Versammlungsverbots gehen auch das zweite Wochenende in Folge zehntausende Menschen in Russland auf die Straße. Sie protestieren für die Freilassung von Alexej Nawalny. Die Polizei greift hart durch, teilweise brutal. Es gibt offenbar tausende Festnahmen. Wir berichten aus Moskau.

Der Name des prominentesten Kreml-Kritikers und Putin-Gegners Alexej Nawalny steht für den Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft, gegen Machtanhäufung und Unrechtsprechung. Gegen seine Inhaftierung gehen viele, vor allem junge Menschen, auf die Straße.

Offenbar mehr als 3000 Festnahmen

Auch auf die heutigen (31.01.2021) Massenproteste gegen die Staatsführung reagiert die russische Staatsgewalt erneut mit zahlreichen Festnahmen, berichtet unser Russland-Korrespondent Thielko Grieß am frühen Nachmittag. Laut einer NGO, die die Zahl der Festgenommenen landesweit registriert, sollen es über 3000 sein, erzählt er – und da sind die Proteste noch nicht zu Ende. Thielko Grieß ist mittendrin, vor einem der großen Bahnhöfe in Moskau, umringt von Beamten der russischen Sicherheitskräfte.

"Die russischen Sicherheitskräfte sind in sehr schwerer Montur aufmarschiert. Wie auch am vergangenen Wochenende gehen sie sehr, sehr hart vor."
Thielko Grieß, DLF-Korrespondent für Russland

Zahlreiche vergitterte große Polizeitransporter sind im Einsatz, berichtet unser Korrespondent. Während er mit uns spricht, werden vor seinen Augen viele Demonstranten festgenommen und dort eingeladen. Auch ein Journalist ist darunter, beobachtet Thielko Grieß – und das, obwohl er eine gelbe Weste mit der Aufschrift "Presse" trage.

In Moskau hat die Polizei das Stadtzentrum abgeriegelt. Bereits letztes Wochenende hatten die Beamten äußerst hart durchgegriffen und Menschen teilweise mit Schlagstöcken verletzt.

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Vergangene Woche hatten sich die Demonstrierenden vor allem auf einem großen, zentralen Platz verabredet, berichtet Thielko Grieß. Heute wiederum war der Standort kurz vor Beginn der Aktionen über die sozialen Netzwerke noch einmal verlegt worden.

Kolonnen von Demonstrierenden

Seitdem bewegen sich Kolonnen von Demonstrierenden durch die Stadt. Die Sicherheitskräfte hätten teilweise Mühe, hinterherzukommen. Es sei wie bei einem Katz- und Mausspiel. Der Reihe nach wurden verschiedene U-Bahn-Stationen gesperrt, so unser Korrespondent, um die Bewegung der Menschen einzuschränken. Das bekam er auch selbst zu spüren bei seinem Versuch, den Demonstrierenden zu folgen.

"Es ist eine Art Katz- und Mausspiel. Wir hören die Sirenen."
Thielko Grieß, DLF-Korrespondent für Russland

Die Taktik, sich immer zu bewegen und die Sicherheitskräfte unter Druck zu setzen, haben sich die Demonstrierenden wohl aus Belarus abgeschaut, vermutet Thielko Grieß. Dort waren die Protestierenden im Sommer und im Herbst ganz ähnlich vorgegangen: dezentral und dadurch schnell.

Aus Sicht der Stadt Moskau und des russischen Staates sind die Demonstrationen illegale Veranstaltungen, so unser Russland-Korrespondent. Das Motto der Staatsgewalt: Druck und Einschüchterung. Damit die Leute vielleicht in der nächsten Woche nicht wieder auf die Straße gehen.

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Am Morgen des 01.02.2021 haben wir erneut mit unserem Korrespondenten gesprochen. Hier könnt ihr das Gespräch hören:

Thielko Grieß, DLF-Korrespondent für Russland
"Der russischen Staatsmacht geht es darum, eine Drohkulisse aufzubauen. Und sie versucht, alle bekannten Köpfe aus dem Verkehr zu ziehen: Auch Nawalnys Frau ist festgenommen worden."

Unser Artikelbild oben zeigt von links nach rechts Festnahmen am 31.01.2021 in Moskau, Krasnoyarsk und Rostov-on-Don.