Die Sehnsucht nach einem Sabbatical-Jahr können viele von uns wohl nachempfinden. Raus aus dem Laufrad des Alltags: Nicht arbeiten, Zeit genießen, runter kommen, ein bisschen Reisen. Klingt super – aber nicht für die Superreichen in London. Für die wäre das viel zu lahm.

Die Superreichen in London machen seit ein paar Jahren hardcore-durchgetaktete Sabbaticals, die möglichst spektakulär sind und bei denen sie die ganze Welt sehen. Mit Entschleunigung hat das nicht mehr viel zu tun, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sandra Pfister: "Auf einer Yacht abhängen, gilt inzwischen als old school."

"Eine Woche tauchen mit Delfinen, dann von Urvölkern lernen, mit Pfeil und Bogen zu schießen, dann wäre es noch toll zu wissen, wie man in der Wildnis überlebt. Und zum Runterkommen in Tibet meditieren."
Sandra Pfister, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin, beschreibt die Ansprüche der superreichen Londoner für ihr Sabbatical

Die Ansprüche an das Sabbatical und an die Zahl der exklusiven Erlebnisse sind extrem hoch. Es gibt aber Reiseagenturen, die genau das vermitteln. Tom Barber betreibt eine solche Reiseagentur. Er stellt fest, dass exklusive Auszeiten dieser Art seit etwa fünf Jahren sehr häufig angefragt und gebucht werden. 

In 40 Monaten 80 Ziele mit dem Privatjet

Die Preise sind dabei nach oben offen. Mehr als eine Millionen Pfund kann man da locker ausgeben. Wie ein 40-jähriger CEO einer Tech-Firma im letzten Jahr: Der hat innerhalb von 14 Monaten 80 Ziele auf der Welt mit dem Privatjet besucht.

"Wir haben seine Reise maßgeschneidert. Er wollte ständig Dinge lernen: Tauchen, Naturfotografie, Tibetischen Buddhismus und Spiritualität. Er kam zurück und fühlte sich erleuchtet.“
Tom Barber, Gründer einer Reiseagentur, die Luxus-Reisen vermittelt

Wer bei Tom Barber ein Luxus-Sabbatical bucht, kommt einerseits um die Welt – zum Paket gehören aber auch Ansprechpartner vor Ort, die Tag und Nacht zur Verfügung stehen.   

Sie nehmen den Effizienzdruck des Arbeitsalltags mit ins Sabbatical

Mit einer Auszeit, so wie der Begriff Sabbatical oft verstanden wird, haben die Luxus-Reisen wenig zu tun. Eher stehen die Superreichen die ganze Zeit unter Strom, um möglichst viel in kurzer Zeit zu erleben. Es scheint, als könnten sie sich von ihrem Effizienzdruck des Arbeitsalltags nicht frei machen. Vielleicht wollen sie das auch gar nicht. Sandra Pfister sagt: "Die Superreichen aus London wollen nicht abhängen, sondern sich ständig verbessern, ständig etwas Neues lernen, wie Schwimmen mit Haien in Südafrika, oder am Südpol Extrem-Skifahren." 

"Mein Eindruck ist: Die nehmen ihren Leistungsdruck auch ein bisschen mit in diese vermeintliche Auszeit."
Sandra Pfister, Deutschlandfunk Nova

Wie solche Reisen ablaufen, klingt teils grotesk. Sandra Pfister berichtet von einer Familie, die sich in Ladakh in Nordwest-Indien unbedingt Schneeleoparden ansehen wollte. Deswegen habe das Reiseunternehmen vor Ort extra Späher engagiert. Sobald diese einen Schneeleopard gesichtet hatten, wurde die Familien mit einem Helikopter dort hingeflogen. 

Prahlerei spielt eine Rolle

Tom Barber glaubt, dass es für viele schon eine Rolle spielt, was man am Ende eines solchen Trips vor anderen alles berichten kann. Also kurz gesagt: Es geht ums Angeben! 

"Der Aspekt der Prahlerei spielt schon eine Rolle. Das Klientel sind häufig Überflieger, die es mögen, sich mit ihren Millionärsfreunden zu messen."
Tom Barber, Gründer einer Reiseagentur, die Luxus-Reisen vermittelt

Tom Barber sagt weiter, es stecke in den Menschen einfach drin. Diese Superreichen, die zu ihm kommen, machen vielleicht 0,01 Prozent der Bevölkerung, schätzt er. Die wollten immer gewinnen und das Beste herausholen. Auch aus einem Sabbatical. 

Die Bilder im Beitrag sind Symbolbilder und stellen keine superreichen Urlauber dar.

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