Ein Zeit lang nicht arbeiten und trotzdem Geld bekommen? Ein Sabbatical macht es möglich. Es braucht allerdings viel Vorbereitung. Wie wir eine längere Auszeit planen und warum es auch für Unternehmen in Krisenzeiten eine Option sein kann.

Manche nutzen ihre Auszeit für eine große Reise oder um ein Haus zu renovieren oder einfach um die Dinge zu erledigen, die neben der Arbeit immer zu kurz kommen. Einfach mal raus aus dem alltäglichen Trott. Dennis Schmolk hat noch einen ganz anderen Plan realisiert: Er hat in der freien Zeit seinen Master an der Uni gemacht.

"Ein bisschen ausscheren aus dem gewöhnlichen Schule-Studium-Berufstätigkeit-Rente-Sarg-Modus war auch schon auch so eine Motivation."
Dennis Schmolk, hat ein Sabbatical genommen, um seinen Master zu machen

Doch die große Frage, die sich allen stellt, die ein Sabbatical planen: Kann ich mir das eigentlich leisten? Feststeht, wir müssen im Vorfeld sparen. "Ein Sabbatical mache ich ja nicht von heute auf morgen, das braucht ein bisschen Vorbereitungszeit, unter Umständen mehrere Jahre", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Krinner.

Für die Finanzierung gibt es vor allem zwei Modelle: Entweder wir lassen uns unbezahlt freistellen oder wir regeln es über ein Zeitwertkonto beim Arbeitgeber.

Unbezahlte Auszeit

Beim ersten Modell lassen wir uns vom Arbeitgeber für eine unbestimmte Zeit freistellen und bekommen in dieser Zeit kein Gehalt. Der Vorteil: Ein Sabbatical lässt sich auf diese Weise einigermaßen spontan organisieren. Wir müssen nur genug Geld auf dem Konto haben, um uns in der freigestellten Zeit selber zu finanzieren. Der Nachteil ist, dass wir uns nach einem Monat selber um unsere Sozialversicherung kümmern müssen. "Der Arbeitgeber meldet dich nämlich ab und du musst dich freiwillig versichern", sagt Martin Krinner.

"Der Haken ist aber: Nach einem Monat musst du dich selbst um deine Sozialversicherung kümmern – alleine."
Martin Krinner, Deutschlandfunk Nova

Das Zeitwertkonto-Modell

Bei dem Modell, das über ein Zeitwertkonto läuft, arbeiten wir sozusagen im Voraus mehr, um die Auszeit zu finanzieren. "Du arbeitest dann zum Beispiel drei Jahre in Vollzeit, bekommst aber nur 80 Prozent Gehalt. Und nach drei Jahren hast du dann gut ein halbes Jahr frei", so unser Reporter.

"Es ist etwas sicherer als das erste Modell – und günstiger."
Martin Krinner, Deutschlandfunk Nova

Der Vorteil: Wir sind weiterhin fest angestellt und bekommen auch weiterhin 80 Prozent des Gehalts ausgezahlt. Außerdem bleiben wir in der Krankenkasse und Rentenversicherung. Aber es braucht eben eine langfristige Planung.

Sabbatical trotz Wirtschaftsflaute

Wirtschaftlich läuft es vielerorts in Deutschland derzeit nicht so gut. Vielen Unternehmen bauen Stellen ab. Ist das der richtige Zeitpunkt, um über ein Sabbatical nachzudenken? "Das hängt sehr stark davon ab, in welcher Branche du arbeitest", sagt unser Reporter. Aber selbst, wenn die Auftragslage gerade nicht so rosig ist, kann ein Sabbatical durchaus möglich sein.

Vorübergehende Einsparungen für Unternehmen

Aus der Perspektive der Arbeitgebenden kann es ein ziemlich smarter Weg sein, um vorübergehend Personal abzubauen und Kosten zu sparen.

Die Wirtschafts-Professorin Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen hat sich zu diesem Punkt geäußert. Demnach könnten die Angestellten während einer Auftragsflaute ins Sabbatical gehen "und wenn der Mitarbeiter und die Mitarbeiterin dann wieder zurückkommt, dann hat sich die Situation etwas beruhigt. Und dann habe ich diese Mitarbeiterin oder den Mitarbeiter nicht verloren, sondern ich habe es eben tatsächlich auf diese Art und Weise vergleichsweise elegant gelöst", sagt sie.

Also eine Art Kurzarbeit per Sabbatical. Das Risiko ist natürlich, dass sich die wirtschaftliche Lage auch nach der Rückkehr der Mitarbeitenden nicht erholt hat. Denn niemand kann vorhersagen, wie sich die Lage entwickelt. Aber, so Martin Krinner: "2008/2009 – während der Finanzkrise – haben viele Unternehmen dieses Modell genutzt."

Shownotes
XXL-Auszeit
Wie wir ein Sabbatical planen
vom 24. August 2026
Moderation: 
Jenni Gärtner und Thilo Jahn
Gespächspartner: 
Martin Krinner, Deutschlandfunk Nova