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Die Biologin Carolin Sommer-Trembo forscht an einem Ort, den sie als eine Art Paradies empfindet: eine kleine Forschungsstation am nördlichen Zipfel Sambias am Ufer des gigantischen Tanganjikasees. Darin leben die neugierigen Buntbarsche - Carolins Forschungsobjekt.

Sambia in Zentralafrika, eine offene Lodge direkt an einem 400 Kilometer langen See, der nächste Ort eine Stunde Bootsfahrt entfernt… Klingt nach Urlaub? Absolut! Tatsächlich aber ist das der Arbeitsort von Carolin Sommer-Trembo - jedenfalls immer mal wieder, für acht bis neun Wochen, wenn sie auf ihrer regelmäßigen Forschungsreise ist.

"Ich komme dort an und fühle mich total entspannt und wie im Paradies."
Biologin Carolin Sommer-Trembo über ihre Forschungsreisen nach Nord-Sambia
Carolin Sommer-Trembo beim Tauchen
© Carolin Sommer-Trembo
Carolin Sommer-Trembo taucht im Tanganjikasee.

Carolin ist Biologin und Postdoc an der Uni Basel. Ihr Forschungsgebiet: Biodiversität. Präziser: Die Forschungsgruppe, der sie angehört, interessiert sich für den Prozess, der für Diversität verantwortlich ist, also die Artbildung.

Die Geheimnisse der Artbildung

Insbesondere interessiert sich die Arbeitsgruppe für die Faktoren, die die Artbildung begünstigen. Um das zu untersuchen, haben die Forschenden sich Buntbarsche ausgesucht. Sie sind nämlich gut darin, Arten herauszubilden, erklärt Carolin.

"Es gibt noch ganz viele Geheimnisse, die wir noch nicht herausgefunden haben. Vor allem wissen wir noch nicht so viel über die Faktoren, die Artbildung begünstigen."

Allein im Tanganjikasee, an dem die besagte Forschungsstation "Kalambo Falls" liegt, wohin die Biologin für ihre Arbeit regelmäßig reist, gibt es 240 Buntbarsch-Arten, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Diese unterschiedlichen Arten untersuchen sie und ihr Forschungsteam auf alle möglichen Aspekte – zum Beispiel: Wie sehen sie aus? Welche ökologische Nischen besetzen sie? Wo stehen sie in der Nahrungskette?

Rolle des Verhaltens für Artenbildung

Carolins Spezialgebiet ist das Verhalten der Fische: Spielt es eine Rolle dafür, dass diese Arten ihre eigene Nische finden? Und wenn ja: Welche? Zum Beispiel untersucht sie, welche Bedeutung die Neugier der Buntbarsche für ihre Artenvielfalt hat.

"Das ist total explorativ, was wir da machen. Das hat sich keiner auf dem Maßstab überhaupt irgendwann mal angeguckt."
Carolin Sommer-Trembo, Biologin, über ihre Forschung zur Artbildung der Buntbarsche

Am Ende all dieser Forschung steht die Frage: Welche ihrer Eigenschaften trägt dazu bei, dass diese Buntbarsche so verdammt gut darin sind, so viele verschiedene Arten zu bilden? Das ist Grundlagenforschung, erklärt die Biologin. Wohin sie führt, ob sie zum Beispiel mal übertragbar ist auf einen direkten Nutzen für Menschen, ist unklar. Indizien gibt es - aber erst mal geht es "nur" um den reinen Erkenntnisgewinn.

Wissenschaftskommunikation für die Gesellschaft

Über ihre Forschung schreibt sie auch in einem Blog - Wissenschaftskommunikation ist ihr ein wichtiges Anliegen. Zum einen macht ihr das einfach sehr viel Spaß, verrät sie. Aber Vertrauen und Rückhalt für Wissenschaft hält sie auch für wichtig für das Funktionieren einer modernen Gesellschaft mit ihren Herausforderungen wie etwa Klimawandel oder auch die Corona-Pandemie.

Wie ihr Kollege ihr mit Geschichten-Erzählen geholfen hat, eine Malaria-Erkrankung zu besiegen, was es mit einem toten Krokodil auf sich hat, über das sie morgens mal gestolpert ist, und wieso sie vor einem sambischen Buschgericht aussagen musste – all das und mehr erzählt Carolin Sommer-Trembo im Gespräch mit Rahel Klein. Um das ganze Gespräch zu hören, klickt oben einfach auf Play.