Die Kulturhauptstadt San Sebastian ist die Stadt, in der die meisten Menschen durch den Terror der ETA gestorben sind. Die Organisatoren hoffen, dass das Kulturhauptstadt-Jahr alte Wunden heilt.

Die Terrororganisation "Euskadi Ta Askatasuna" (ETA) wollte eines erreichen: ein unabhängiges Baskenland, unabhängig von Spanien - und sozialistisch geprägt. Dafür hat sie bis 2011 auch mit Waffen gekämpft und immer wieder Anschläge verübt. Mehr als 800 Menschen sind in 50 Jahren gestorben. Noch immer gibt es viele Angehörige von Opfern und Tätern. Und auch noch viele Täter, die damals Anschläge verübt haben.

"Eine Frau, die ihren Mann bei einem ETA-Anschlag verlor, hat die Mörder im Gefängnis besucht, um ein Zeichen der Versöhnung zu setzen."
Marc Dugge, DRadio Wissen Reporter in Spanien

Viele der Täter haben große Probleme, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Teilweise bleiben sie sogar lieber im Gefängnis. Denn ein normales Leben, also zum Beispiel in einem Straßencafé zu sitzen und einen Kaffee zu trinken, ist für sie unmöglich. Weil man sie (er)kennt und schief anschaut. Die Nähe von Tätern und Opfern ist prägend für das Baskenland.

"Das Kulturhauptstadt-Jahr will die Themen der Vergangenheit anpacken. Das ist bis jetzt nicht wirklich geschehen."
Marc Dugge, DRadio Wissen

Die ETA als bewaffnete Truppe ist bedeutungslos geworden. Schätzungen gehen noch von 20 bis 120 Menschen aus, die sich als ETA-Mitglieder betrachten. Wichtiger ist aber die politische Sympathisanten-Szene, auch in den politischen Parteien. Manche Parteien, etwa die Bildu, sind sehr zurückhaltend, wenn es etwa darum geht, die ETA-Mitglieder "Terroristen" zu nennen oder ihren Kampf als "ungerechtfertigt" zu bezeichnen.

Unterschiedliche Vorstellungen

Er sei gespannt, ob es gelingen kann, die schwierige Vergangenheit des Baskenlands in Theaterveranstaltungen, Lesungen und Diskussionsrunden zu be- und verarbeiten, sagt DRadio-Wissen-Reporter Marc Dugge. Es gebe sehr unterschiedliche Vorstellungen, wie das Kulturjahr aussehen könnte. Die Bildu-Politiker hätten zum Beispiel andere Vorstellungen als die Vertreter der anderen Parteien.

Lohnenswertes Ziel

Nicht nur wegen der schönen (Alt-)Stadt ist San Sebastian ein Besuch Wert. Auch aus kulinarischen Gründen, wegen der "Pinchos".

"Das sind kleine Weißbrote, belegt mit Leckereien, zusammengehalten durch kleine 'Pinchos', also Spieße. Von denen kann man nicht genug bekommen."
Marc Dugge, DRadio Wissen