Russland ist offiziell zahlungsunfähig. Aber nicht pleite. Was heißt das genau – und was sind die unmittelbaren und langfristigen Folgen?

Am Wochenende ist eine Schonfrist zur Zahlung von 100 Millionen Dollar Zinsen für zwei Staatsanleihen abgelaufen. Russland sagt, dass sie das Geld fristgerecht bezahlt haben und es wegen westlicher Sanktionen nicht angekommen sei. Offiziell ist das Land nun zahlungsunfähig.

Denn die Zinsen stehen den Anlegern – also zum Beispiel Banken und Versicherungen – dafür zu, dass sie russische Staatsanleihen gekauft und damit Russland Geld geliehen haben. Mehrere taiwanische Investoren haben nun angegeben, diese vereinbarten Zinszahlungen bislang nicht erhalten zu haben.

Warum Russland trotzdem nicht pleite ist

Zum ersten Mal seit der bolschewistischen Revolution vor mehr als 100 Jahren ist Russland damit zahlungsunfähig. Der offizielle Begriff dafür lautet "Zahlungsausfall auf Auslandsschulden". Pleite sei das Land aber nicht, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Frederik Rother.

"Das Wort 'zahlungsunfähig' klingt groß. Aber: Russland ist nicht pleite, es hat noch Geld. Die Zinsen sind wohl wegen der westlichen Sanktionen nicht angekommen."
Frederik Rother, Deutschlandfunk Nova

Mehrere Experten halten es für realistisch, dass Russland alle Zinsen rechtzeitig bezahlt hat, sagt Frederik Rother. Russland habe an sich auch genug Geld dafür, etwa durch die Öl- und Gaseinnahmen. Zudem habe das Land auch nicht zu viele Schulden. Doch die gezahlten Zinsen seien offenbar wegen der westlichen Sanktionen nicht angekommen.

Kreml: Zinsen wurden bezahlt

Die Sanktionen wurden wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine beschlossen und haben russische Banken vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten. Deswegen kann das Land kaum mehr Geld in den internationalen Finanzkreislauf einspeisen. Das Ganze ist also eine gezielt von außen herbeigeführte Situation, erklärt Frederik Rother.

Ziel sei es offenbar, Russlands Reputation zu schaden. Denn vielleicht müsse sich Russland in Zukunft wieder Mal Geld leihen, in Asien zum Beispiel, sagt Frederik Rother. Nun sei eben der Ruf nicht mehr so gut. Die Folgen davon seien bis jetzt noch nicht dramatisch. Es handle sich vor allem um einen symbolischen Akt, sagt Frederik Rother.

Russische Bevölkerung nicht von Zahlungsunfähigkeit betroffen

Die konkreten Folgen für Russland seien erst einmal überschaubar, sagt Frederik Rother. Denn Russland verliere kein Geld. Auch das Kriegsgeschehen werde dadurch nicht maßgeblich beeinflusst. Die Soldaten werden in Rubel bezahlt, und die könne man drucken.

Ergebnisoffen diskutiert wird das Ganze in Russland dennoch nicht. Stattdessen lautet die offizielle Linie: Russland ist nicht zahlungsunfähig.