Westliche Staaten und die EU haben beschlossen, russische Banken – auch die Zentralbank – aus dem Zahlungssystem Swift auszuschließen. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft in Russland werden massiv sein – aber auch unsere Wirtschaft wird Probleme bekommen.

Der Ausschluss aus Swift bedeutet: "Die internationalen Geldströme und der grenzüberschreitende Handel der Unternehmen kommen für Russland zum Erliegen und die russischen Banken bekommen kein Geld mehr", sagt Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven.

Das Zahlungssystem Swift sorgt dafür, dass Bankgeschäfte über Grenzen reibungslos ablaufen, erklärt der Wirtschaftsjournalist. Swift macht den Datenaustausch zwischen den Banken schnell, sicher und einfach. "Einige sagen daher, dass Swift das WhatsApp der Banken ist," so Nicolas Lieven.

"Wir sehen es jetzt schon, dass in einigen Unternehmen die Bänder stillstehen. Einige Sachen werden nicht mehr hergestellt oder sind dann extrem teuer."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Im Alltag begegnet uns Swift regelmäßig in Form des Bank Identifier Code – kurz BIC – zum Beispiel auf der Girokarte. Die elf Zeichen stehen für Banknamen, Land Ortskennung und weitere Kennzeichen. Dieses Zahlungssystem macht es Unternehmen, aber auch privat Personen einfach, Geld ins Ausland zu überweisen oder von dort zu erhalten.

Russische Banken abgekoppelt

Der Ausschluss der russischen Banken bedeutet, dass sie nicht mehr auf diese einfach Datenübermittlung zugreifen können. Wenn sie jetzt Auslandsgeschäfte abwickeln wollen, müssen sie das ab sofort sehr viel zeitaufwändiger und komplizierter – zum Beispiel per Telefon – machen, eben so wie es vor Swift war.

"Für Russland heißt es, dass die internationalen Geldströme fast zum Erliegen kommen. Transaktionen für Öl und Gas werden sehr viel komplizierter durch den Ausschluss Russlands von Swift."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Die Auswirkungen des Swift-Ausschlusses sind so umfangreich, dass sie auch das Kriegsgeschehen beeinflusse können. Denn es ist auch eine Bank betroffen, die für die Finanzierung des Militärs zuständig ist, erklärt Nicolas Lieven.

Russland hat zwar ein eigenes Bezahlsystem aufgebaut, das sei aber rein national und kein Ersatz für den internationalen Zahlungsverkehr, erklärt der Wirtschaftsjournalist. Auch ein Ausweichen auf Kryptowährungen, wie manche mutmaßen, ist weder ein sicherer noch schneller und effektiver Weg für Russland, meint Nicolas Lieven.

"Es gibt zu Swift keine Alternative."
Nicolas Lieve, Wirtschaftsjournalist

Den Ausschluss aus Swift würden russische Bürgerinnen und Bürger direkt spüren. Sie würden zunehmend vor geschlossenen Banken stehen und kein Geld mehr erhalten. Das sei ein automatischer Effekt, wenn viele Menschen auf Bargeld zugreifen wollen, denn das meiste Geld sei digital. Einem Tochterunternehmen einer russischen Bank würde daher schon die Pleite drohen. In so einem Fall würde die Zentralbank einschreiten und Devisen kaufen, um das Land mit Geld zu versorgen. Doch genau das, kann die russische Zentralbank nicht mehr tun.

Warenaustausch mit Russland kommt zum Erliegen

Weil das Geld nicht mehr grenzüberschreitend fließt, können auch westliche Unternehmen Waren aus Russland nicht mehr bezahlen. So entstehen Probleme für die Lieferketten - auch durch die Sanktionen, was insgesamt auch zu einem Produktionsstillstand bei diesen Unternehmen führen kann.

Dass sich Russland wegen der Sanktionen stärker Richtung China orientiert, beispielsweise eine Gaspipeline dorthin baut und von China Kredite bekommt, würde für Russland zu einer stärkeren Abhängigkeit von China führen. Nicolas Lieven bezweifelt, dass Wladimir Putin das wolle.

  • Moderatorin:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist