Seit Herbst 2021 ist Sarah-Lee Heinrich Bundessprecherin der Grünen Jugend. Auf ihre Wahl folgten ein Shitstorm wegen alter Tweets und Morddrohungen. Jetzt will sich die 20-Jährige vor allem für eine linkere Politik einsetzen und dafür sorgen, dass die Grünen soziale und ökologische Fragen zusammendenken.

Ihr Start als neue Co-Sprecherin der Grünen Jugend war schwierig. Kurz nach ihrer Wahl Mitte Oktober 2021 werden alte Tweets von Sarah-Lee Heinrich auf Twitter verbreitet – der Aufschrei ist riesig. Denn: In den Tweets benutzt Sarah-Lee Heinrich diskriminierende Sprache und unter einem Beitrag mit einem Hakenkreuz-Symbol kommentiert sie – ironisch – "Heil".

"Man guckt auf sein Handy und sieht, dass quasi die Welt untergeht. Das war ein ganz großer Schock und richtig hart, damit umzugehen."
Sarah-Lee Heinrich, Bundessprecherin Grüne Jugend

Die Tweets hatte Sarah-Lee Heinrich mit 13, 14 Jahren geschrieben. Obwohl sie die Texte gelöscht hatte, wurden sie aus Archiven wieder herausgeholt und zum Teil ohne Datum und in veränderter Weise wieder gepostet. Auch ein Video aus dem Jahr 2019, in dem sie von "eklig-weißer Mehrheitsgesellschaft" im Zusammenhang mit den Fridays-for-Future-Protesten gesprochen hatte, wird ihr wieder vorgehalten.

Sarah-Lee Heinrich entschuldigte sich mehrfach für ihre Äußerungen und fand die inhaltliche Kritik daran berechtigt. Doch die Angriffe – vor allem aus rechten bis rechtsextremen Kreisen – reichten bis hin zu Morddrohungen.

"Ich hatte schon mal Morddrohungen bekommen, aber nicht in diesem Ausmaß."
Sarah-Lee Heinrich, Bundessprecherin Grüne Jugend

Sarah-Lee Heinrich zog sich vorübergehend aus der Öffentlichkeit zurück – auch aus Selbstschutz. Ihr Amt wieder aufzugeben war für sie aber keine Option. Auch weil die Grünen-Politikerin den Angreifer*innen nicht die Genugtuung verschaffen wollte, sie mit unlauteren Mitteln zurückzudrängen, sagt sie.

Soziale Themen im Fokus

Als Sprecherin der Grünen Jugend möchte sich Sarah-Lee Heinrich dafür einsetzen, dass die Grünen soziale und ökologische Fragen stärker zusammendenken. Ihr Fokus liegt vor allem auf sozialen Themen.

Das hat auch mit ihrer persönlichen Geschichte zu tun, mit der sie heute offen umgeht: Sarah-Lees Mutter war alleinerziehend, die beiden lebten von Hartz-IV und Sarah-Lee musste auf vieles verzichten. Dass Menschen im Kampf gegen die Klimakrise Angst vor Preiserhöhungen haben, kann sie daher nachvollziehen. "Ich kann mich sehr gut in Menschen hineinfühlen, für die eine Spritpreiserhöhung bedeutet, noch weniger Geld für andere Ausgaben zu haben", sagt sie.

Sarah-Lee Heinrich setzt sich heute unter anderem auch für eine Erhöhung des geplanten Bürgergeldes ein, das Hartz-IV ablösen soll. Am Koalitionsvertrag der Ampel-Koalition übt die Grüne Jugend – obwohl sie dem Vertrag zugestimmt hat – breite Kritik. Vor allem in Klima- und sozialpolitischen Fragen.

"Man wird beim Koalitionsvertrag auf jeden Fall nachschärfen müssen."
Sarah-Lee Heinrich, Bundessprecherin Grüne Jugend

Im Deep Talk spricht Sarah-Lee Heinrich mit Deutschlandfunk-Nova-Moderatorin Rahel Klein darüber, wie die Grüne Jugend Druck auf die Ampel-Koalition aufbauen will, warum sie dem Koalitionsvertrag als Bundessprecherin dennoch zugestimmt hat und worauf sie sich nach der Corona-Pandemie am meisten freut.