Südkorea hat Sars-CoV-2 schnell und entschieden den Kampf angesagt. Die Maßnahmen trägt die Bevölkerung größtenteils mit. Warum die Strategie aber dennoch nicht unbedingt auf Deutschland übertragbar ist, erklärt Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori.

Der Staat in Südkorea geht mit der Verbreitung von Sars-CoV-2 anders um als die Behörden in Deutschland. Dort wird mehr getestet als hierzulande, auch Menschen die vermutlich Kontakt zu Infizierten hatte, aber noch keine Symptome zeigen. Die Testquote in Südkorea ist – verglichen mit Deutschland – etwa dreimal so hoch. Dort leben rund 51,5 Millionen Menschen.

In Südkorea werden Mobiltelefon- und Kreditkartendaten systematisch verwendet, um Kontaktpersonen zu identifizieren, mögliche Kontakte massenhaft informiert. Infizierte verbringen die Quarantäne in staatlichen Unterkünften. Die Einhaltung der Quarantäne wird mit GPS kontrolliert.

Erklärbare Unterschiede

Der Verbreitung von Sars-CoV-2 wird in Südkorea allerdings ohne landesweite Ausgangssperren und grundsätzliche Kontaktverbote begegnet. Das hat auch der Autor und Musikproduzent Hans Nieswandt beobachtet. Er lebt seit einigen Monaten in Seoul. Grundsätzlich seien die Unterschiede zwischen den Maßnahmen in Südkorea und Deutschland wohl nicht so deutlich, wie sie auf den ersten Blick erscheinen und bei genauerem Hinsehen auch erklärbar, sagt Christina Sartori.

"Man muss bei einer Neuinfektion die Kontaktperson finden und dann in Quarantäne schicken."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Die Wissenschaftsjournalistin beschreibt das Verfahren der Gesundheitsbehörden in Deutschland und Südkorea als durchaus ähnlich. Als die Zahl der Infektionen hierzulande noch niedrig war, bei dem Ausbruch im bayerischen Firmensitz des Automobilzulieferers Webasto beispielsweise, habe die Rückverfolgung der Infektionswege auch funktioniert. Weitreichendere Informationskampagnen und deutschlandweite Maßnahmen wie in Südkorea wären nach Einschätzung von Christina Sartori zu diesem frühen Zeitpunkt unangebracht gewesen.

Geografische Unterschiede

Als dann viele Menschen mit Infektionen aus den Skigebieten nach Deutschland zurückgekommen sind, sei das bewährte Verfahren, anders als in Südkorea, nicht mehr praktikabel gewesen. Die Zahl der Neuinfektionen sei dafür zu hoch und räumlich zu weit gestreut gewesen. Grundsätzlich lasse sich in Südkorea wegen seines quasi-inselähnlichen Status die Einreise besser kontrollieren. Sie erinnert daran, dass Deutschland eben lange Landesgrenzen mit einer Vielzahl von Nachbarstaaten hat.

Für die weitreichenden elektronischen Maßnahmen in Südkorea - massive Eingriffe in die informationelle Selbstbestimmung also - fehle hierzulande aber wohl das Verständnis. Maßnahmen ohne Akzeptanz seien wirkungslos, die Bevölkerung beginne dann zu schummeln.

"Ich glaube, das ist hier nicht machbar. Dazu ist hier der Datenschutz zu wichtig. Es gibt Maßnahmen, die sind nicht in jeder Gesellschaft machbar."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Die Art der öffentlichen Information in Deutschland bewertet die Wissenschaftsjournalistin als vorbildlich und transparent. Es sei von politischer Seite von Beginn an sehr offen kommuniziert worden, auch dass der Verlauf der Pandemie und entsprechend auch die Gegenmaßnahmen nicht vorbestimmt sind und der ständigen Anpassung bedürfen.

"Es wird immer offen gesagt: Manches wissen wir noch nicht. Das können wir noch nicht sagen."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Bei dem Ausbruch der Krankheit im Ort Heinsberg sei die Lage eine andere gewesen als bei dem Webasto-Ausbruch, sagt Christina Sartori. Nach einer Karnevalsfeier waren in Heinsberg viele Ansteckungen mit Covid-19-verzeichnet worden. Dann habe aber durchaus eine umfassendere Informationskampage eingesetzt. Rückwirkend sei es immer leicht, Entscheidungen zu kritisieren. Fußballspiele mit Publikum habe es aber in Deutschland wohl ein Wochenende zu lang gegeben, findet Christina Sartori.