Die Beatmung mit Sauerstoff ist gerade für viele Covid-19-Erkrankte in den Kliniken überlebenswichtig. Krankenhäuser in Großbritannien und Kalifornien melden jetzt, dass sie medizinischen Sauerstoff rationieren müssen. Um das zu vermeiden, braucht es vor allem eine stabile Versorgungskette, sagt Thomas Woldt von der Uniklinik Dresden.

In der Medizin wird Sauerstoff vor allem für die Beatmung von Patientinnen und Patienten genutzt. Unterschiede in der Zusammensetzung von medizinischem Sauerstoff und dem in der normalen Umgebungsluft gibt es keine, erklärt Thomas Woldt, Abteilungsleiter für Gebäudetechnik an der Uniklinik in Dresden.

Sauerstoff für die Medizin

Als Arzneimittel ist medizinischer Sauerstoff aber zertifiziert und dessen Produktion, Verteilung und Nutzung reguliert. In Deutschland wird der Sauerstoff in speziellen Anlagen aus der Luft gewonnen und im Anschluss verflüssigt, um so das Volumen zu reduzieren und mehr Sauerstoff in Flaschen zu transportieren.

Kommen jetzt mehr Covid-19-Erkrankte ins Krankenhaus, steigt damit auch die benötigte Menge an medizinischem Sauerstoff. Das Universitätsklinikum Dresden zum Beispiel betankt seine Sauerstoffanlage aktuell zwei- bis dreimal in der Woche, sagt der Abteilungsleiter. Vor der Coronavirus-Pandemie habe eine Betankung pro Woche ausgereicht. Im Moment verbraucht der Krankenhausbetrieb fast zwei Tonnen medizinischen Sauerstoff am Tag, statt wie üblich eine Tonne.

"Sauerstoffreserven haben wir regelmäßig da, weil wir immer davon ausgehen müssen, dass es irgendeinen technischen Zusammenhang gibt oder irgendwelche äußeren Bedingungen, die uns dazu zwingen, eine Notversorgung zu fahren."
Thomas Woldt, Abteilungsleiter für Gebäudetechnik an der Uniklinik in Dresden

Die Klinik ist sich also des erhöhten Bedarfs bewusst, eine Notversorgung sei das derzeit aber noch nicht, so der Abteilungsleiter. Um das zu vermeiden, ist es entscheidend, die Füllstände der Sauerstoffanlagen stabil zu halten. Kritisch könnte es dann werden, erklärt er, wenn mehrere Probleme aufeinanderfolgen.

Fehlerfälle gering halten

Also, wenn etwa der Sauerstoff-Vorrat niedriger ist als vorgegeben. Normalerweise wird dann automatisch Nachschub angefordert. Wenn dann beispielsweise der Tanklaster – etwa durch Glatteis – in einen Unfall gerät, fällt die nächste Betankung damit aus. Da wäre es dann unklar, wann das Krankenhaus wieder beliefert würde. Und das wäre ein Fall, bei dem die Sauerstoffreserve betroffen wäre. Ziel ist es demnach, so viel Sauerstoff zu haben, damit der Betrieb auf den Stationen regulär weiterlaufen kann.

"Jedes technische System ist auf irgendwelche Kriterien dimensioniert. Und wenn Sie einen Teil der Kriterien verlassen, dann haben Sie vielleicht noch ein bisschen Reserve, die das Gesamtsystem stabil hält. Folgt auf den ersten Fehlerfall aber ein zweiter, kann es eng werden."
Thomas Woldt, Abteilungsleiter für Gebäudetechnik an der Uniklinik in Dresden