Der Schachweltmeister wirft einem jungen Konkurrenten vor, zu betrügen. Josefine Heinemann ist selbst Profispielerin und hofft auf Aufklärung.

Schachweltmeister Magnus Carlsen – im Bild zu sehen – wirft seinem Konkurrenten Hans Niemann vor, zu schummeln – indirekt jedenfalls. Kürzlich hat der Weltmeister bei einem Sinquefield Cup überraschend gegen den erst 19-jährigen Hans Niemann verloren. Magnus Carlsen zog sich aus dem Turnier zurück. Beim Julius Bär Generation Cup, einem Online-Match, hat Magnus Carlsen im zweiten Zug aufgegeben.

Betrug nicht nachgewiesen

Der Weltmeister solle sagen, was Sache ist, findet Josefine Heinemann. Sie ist Profi-Schachspielerin und verfolgt die Auseinandersetzung. Hans Niemann sei bislang nicht nachgewiesen worden, dass er betrügt. Sie sagt: "Beweise hat keiner." Wie Magnus Carlsen damit umgeht, findet sie absolut nicht in Ordnung.

"Die Schlüsse, die viele Leute gezogen haben, waren halt, das Magnus Carlsen niemand vorwirft, betrogen zu haben."
Josefine Heinemann, Profi-Schachspielerin

Sie weist darauf hin, dass ein Mentor von Hans Niemann wegen Betrugs gesperrt worden ist. Es handelt sich um Schachprofi Maksims Dlugi. Auch Magnus Carlsen hat öffentlich über ihn gesprochen.

"Man darf nicht einfach so Leute des Betruges bezichtigen, schon gar nicht öffentlich, sondern man darf zum Schiedsrichter gehen."
Josefine Heinemann, Profi-Schachspielerin

Damit bei Schachturnieren nicht gepfuscht wird, sind umfangreiche Sicherheitschecks üblich – vergleichbar denen am Flughafen. Im Fall von Hans Niemann hat sich auf Reddit jemand einen Witz erlaubt und spekuliert dieser habe sich mithilfe von Analperlen aus der Ferne Signale geben lassen. Der Spaß hat sich inzwischen zur Anal-Bead-Conspiracy entwickelt und ist inzwischen im entsprechenden Wikipedia-Eintrag angekommen.

Hoffen auf Aufklärung

Abgesehen von diesen Theorien wirkt es auf Josefine Heinemann so, als hätte die Auseinandersetzung für Magnus Carlsen etwas persönliches. Eigentlich behandele er jüngere Konkurrenz freundlich, applaudiere bei Erfolgen und spare nicht mit netten Gesten. Josefine Heinemann hofft einfach auf Aufklärung: "Magnus Carlsen hat zumindest gestern gesagt, dass er sich wohl nächste Woche äußern wird." (Stand 21.09.2022)