Sven Schneider, der erste Vorsitzender der Schalker Fan-Initiative, ist enttäuscht. Er empfindet das Urteil des Ehrenrats zu den rassistischen Äußerungen von Vorstandschef Clemens Tönnies als Freispruch erster Klasse.

Im Ehrenrat von Schalke 04, das ist so ein bisschen die Ethikkommission des Vereins, sitzen ein Richter, eine Richterin, ein Steuerberater, ein Pfarrer und ein Juraprofessor. Diese fünf Personen haben am Dienstagabend (06.08.2019) darüber beraten, wie sie mit Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies und seinen Aussagen auf einer Veranstaltung der Handwerkskammer umgehen. Dort hatte er gesagt, man solle im Kampf gegen den Klimawandel neue Kraftwerke in Afrika bauen, damit dort nicht so viele Bäume gefällt würden. Und dann würden auch nicht so viele Kinder produziert, wenn es dunkel ist.

Diese Aussage wurde als rassistisch kritisiert und hat für große Aufregung gesorgt, nicht nur in den sozialen Netzwerken. Auch Politiker meldeten sich zu Wort. Zu einem Verein wie Schalke 04, der sich den Kampf gegen Rassismus auf die Fahne geschrieben hat, passen solche Aussagen nicht. Deshalb hat der Ehrenrat sich mit der Causa Tönnies befasst. Das Urteil am Dienstagabend: Die Aussagen von Tönnies seien zwar nicht rassistisch gewesen, aber diskriminierend. Damit habe Tönnies gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen, das in der Vereinssatzung steht. Die Entscheidung: Tönnies muss für drei Monate sein Amt bei Schalke niederlegen.

Keine Konsequenzen, keine Entschuldigung

Doch auch die Entscheidung des Ehrenrats stößt auf Kritik. Denn, sagt Sven Schneider von der Schalker Fan-Initiative, das Urteil geht am eigentlichen Problem vorbei. Es bleibe unklar, von welchem Vorwurf der Ehrenrat Clemens Tönnies genau freispricht. Vom Vorwurf, ein Rassist zu sein, oder vom Vorwurf, eine rassistische Äußerung getätigt zu haben.

"Wenn jetzt gesagt wird, wir sprechen ihn vom Vorwurf des Rassismus frei, das ist ein bisschen geschickt, da kann man jetzt gar nicht draus ablesen, was ist denn jetzt eigentlich gemeint."
Sven Schneider, Schalker Fan-Initiative e.V.

Sven Schneider sagt, wenn es darum ginge, Clemens Tönnies vom Vorwurf freizusprechen, ein Rassist zu sein, dann würden sie bei dem Urteil mitgehen. Wenn es aber heißt, er wäre vom Vorwurf einer rassistischen Äußerung freigesprochen, dann wäre das Urteil eben nicht in Ordnung. Denn es gehe nicht darum, Tönnies als Rassisten hinzustellen. Es gehe vielmehr darum, eine Erklärung zu erhalten, warum es zu dieser rassistischen Äußerung kam. Sich jetzt aber auf Diskriminierung zu beziehen, bezeichnet Sven Schneider als hanebüchen.

Für ihn ist das Urteil ein Freispruch erster Klasse. Dass Tönnies seine Ämter jetzt für drei Monate ruhen lässt, bewertet Sven Schneider maximal als erhobenen Zeigefinger. Aber eine richtige Sanktion sei das nicht. Ihm fehlt weiterhin eine Entschuldigung seitens Tönnies an die Menschen, die er mit seiner Äußerung angegriffen hat. Dazu hatten sich auch einige Ex-Spieler von Schalke 04 gemeldet, wie Gerald Asamoah und Hans Sarpei, die auch persönlich betroffen waren.

"Es ist ein Freispruch erster Klasse. Es gibt überhaupt keine Sanktionen seitens des Ehrenrats. Sondern der dreimonatige Aufsichtsratsurlaub von Clemens Tönnies, den hat er ja offensichtlich selber ins Spiel gebracht. Auch das ist keine Sanktion."
Sven Schneider, Schalker Fan-Initiative e.V.

Sven Schneider hätte sich eher eine Form von tätiger Reue gewünscht. Zum Beispiel, indem Clemens Tönnies sich an antirassistischen Projekten beteiligt. Das wäre aus Sicht des Fanbeauftragten das Mindeste gewesen. Dass es aber überhaupt keine Äußerungen in der Hinsicht gibt, das ist Sven Schneider eindeutig zu wenig.

"Ein Verein wie Schalke 04 hat Strahlkraft bundesweit und eine gesellschaftliche Verantwortung. Und es kann nicht sein, dass man dazu überhaupt keine Worte findet."
Sven Schneider, Schalker Fan-Initiative e.V.

Die Mitglieder der Fan-Initiative e.V. wollen die Sache auch nach dem Urteil des Ehrenrates nicht einfach auf sich beruhen lassen. Sie überlegen derzeit, welche Aktionen sinnvoll sein könnten, und ziehen auch in Betracht, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen zu lassen. Was genau unternommen wird, ist noch nicht klar. Dazu seien die Entwicklungen noch zu frisch, sagt Sven Schneider.