Jagd und der Fleischverzehr ist reine Männersache, die Schimpansin geht leer aus. Sie muss für einen Happen Fleisch ein unmoralisches Angebot machen: Sex gegen Fleisch.

Schimpansen ernähren sich hauptsächlich von Früchten, Blättern, Blüten, Samen und Rinde. Ganze 2 Prozent ihrer Nahrung bestehen aus Fleisch. Unter die Kategorie Fleisch fallen Eier, Insekten oder andere Affenarten, erklärt Mario Ludwig. Zum Beispiel machen Schimpansen mit gebastelten Speeren Jagd auf Buschbabys. Dafür brechen sie Zweige ab, entfernen die Seitenäste und Blätter und spitzen den Speer mit ihren Schneidezähnen. Den Speer rammen sie dem Buschbaby in den Bauch, um es bewegungsunfähig zu machen.

"Das ist eine clevere Strategie, weil ohne den Speer hätten die Schimpansen kaum eine Chance so einen flinken Halbaffen zu erbeuten."
Mario Ludwig, Tierexperte

Auf die Jagd gehen die Männchen, sagt Mario Ludwig, die sich in regelrechten "Jagdgruppen" zusammenschließen. Die Beute wird dann unter den Jagenden aufgeteilt, und am meisten bekommt derjenige ab, der bei der Jagd am erfolgreichsten war. Die Weibchen gehen dabei leer aus - außer sie prostituieren sich für einen Happen Fleisch.

Sex gegen Fleisch

Für Männchen und Weibchen entsteht eine Win-win-Situation: Die Weibchen bekommen Fleisch ab und rangniedrigere Männchen kommen in den Genuss von Sex. Denn die, so Mario Ludwig, ziehen üblicherweise gegenüber ranghöheren Gruppenmitgliedern den Kürzeren.

Für Fleisch wird die Schimpansin aber nicht nur zur Prostituierten, sondern auch zur Kannibalin. Die Affenforscherin Jane Goodall hat während ihrer Studien in den 60er Jahren nicht nur herausgefunden, dass Schimpansen Fleisch essen, sondern auch, dass Weibchen dafür andere Schimpansenmütter, die rangniedriger sind, überfallen, deren Kinder rauben und anschließend auffressen.