Wann und wie gut wir morgens aus dem Bett kommen, hat vor allem damit zu tun, welcher Chronotyp wir sind. Menschen mit Schlaftyp Lerche sind früh morgens fit und gehen früh schlafen, Nachteulen sind lieber nachtaktiv und dafür morgens länger im Bett. Das wirkt sich auf verschiedene Bereiche aus – etwa wie viel wir uns bewegen.

Lieber früh aufstehen oder lange dösen? Zu welchem Typ wir gehören, können wir nicht beeinflussen; das ist genetisch bedingt. Unsere inneren Uhren ticken unterschiedlich – und das hat Auswirkungen auf unseren Rhythmus.

Biologisch begründete Vorliebe für Schlafzeiten

Viele bestimmte Prozesse in unserem Körper laufen zu bestimmten Tageszeiten ab und wiederholen sich etwa alle 24 Stunden, sagt Schlafforscherin Christine Blume. Dabei werden zum Beispiel verschiedene Hormone ausgeschüttet und auch die Körpertemperatur variiert. So entsteht eine biologische Vorliebe für bestimmte Schlaf- und Wachzeiten.

"Unsere Gesellschaft ist eher auf Früh-Typen ausgelegt. Das bedeutet: Nachteulen leben quasi unter einem konstanten Jetlag."
Christine Blume, Schlafforscherin an der Universität Basel

Schule, Uni, Arbeit: Die meisten müssen ihren Tag sehr früh beginnen. Nicht ganz einfach für Menschen, die eigentlich Nachteulen sind, sagt Christine Blume. Sie befinden sich quasi dauerhaft im Jetlag.

Das hat Folgen: Spät-Typen haben zum Beispiel im Durchschnitt schlechtere Abiturnoten und leiden häufiger an Depressionen.

Lerchen bewegen sich mehr

Außerdem könnte sich unser Schlaf-Wach-Typ wohl auch auf unser Bewegungsverhalten auswirken. Das haben Forschende aus Finnland nun genauer untersucht.

Für ihre Studie haben sie 5.000 Menschen in Finnland mit einem Fitnessarmband ausgestattet – mit geschwärztem Display, damit niemand sich von den Bewegungsdaten zu Extra-Workouts motivieren ließ.

Das Ergebnis ist erstaunlich: Lerchen bewegen sich im Vergleich zu Eulen so viel mehr, dass es pro Tag einem Spaziergang von etwa einer halben Stunde entspricht.

Studie ist Beobachtungsstudie

Aber: die finnische Studie ist eine Beobachtungsstudie. Das bedeutet, dass die Forschenden lediglich eine Korrelation zwischen Bewegungsverhalten und Chronotyp feststellen konnten – die aber auch bestehen, wenn Body-Mass-Index und Beruf der Testpersonen herausgerechnet werden.

"Nachteulen verbringen ihre langen Abende oft sitzend. Weil sie unter dem Jetlag des gezwungenen Früh-Aufstehens leiden."
Benjamin Weber, Deutschlandfunk Nova

Woran genau es liegt, dass sich Nachteulen weniger bewegen, ist noch nicht belegt. Aber es gibt Theorien. Etwa, dass Nachteulen unter ihrem "Jetlag" leiden und ihren Abend lieber auf der Couch als im Fitnessstudio verbringen, sagt unser Reporter Benjamin Weber.

Rhythmus einhalten

Tipps, um dem Bewegungsmangel vorzubeugen: Erst einmal herausfinden welcher Chronotyp ihr seid. Dann können Nachteulen ihren Tagesablauf und ihre Arbeitszeiten darauf abstimmen, sagt Christin Blume.

Sie rät außerdem: Einen strikten Rhythmus einhalten. Also zu regelmäßigen Uhrzeiten ins Bett zu gehen und aufzustehen. Am besten sollten wir auch Mahlzeiten und Sport zu den jeweils gleichen Uhrzeiten einplanen.

Für Nachteulen außerdem hilfreich: Morgens mindestens 30 Minuten unter freiem Himmel im natürlichen Tageslicht verbringen. Das kann ein Spaziergang, aber auch das Frühstück auf dem Balkon sein.