Die Bundeswehr will ihre Schiffe für die Besatzung sicherer machen. Dafür sind Unterwasser-Sprengtests geplant – um zu sehen, welche Auswirkungen die Detonationen haben. Umweltschützer beklagen aber gravierende Auswirkungen für Umwelt und Tierwelt.

Spätestens nach dem Moorbrand im Emsland finden Tests der Bundeswehr mehr Beachtung in der Öffentlichkeit und werden sicherlich auch kritischer beäugt. Denn im Moment ist noch nicht klar, ob und inwieweit bei dem Feuer in Niedersachsen hochgiftiges Quecksilber oder radioaktive Stoffe freigesetzt worden sind. 

Wie wirken sich 500 Kilo Sprengstoff auf die Fregatte aus?

Ein weiteres Projekt der Bundeswehr wird im Moment ebenfalls heftig kritisiert: Die Bundeswehr-Sprengtesets an der Ostsee, wo die ausrangierte Fregatte "Karlsruhe" angesprengt werden soll. 

Die ausgemusterte Fregatte Karlsruhe soll zu Testzwecken in der Ostsee angesprengt werden
© Deutschlandfunk Nova | Johannes Kulms
Die ausgemusterte Fregatte Karlsruhe soll zu Testzwecken in der Ostsee angesprengt werden

Das 130 Meter lange Schiff aus den 1980ern soll ein letztes Mal in die Ostsee auslaufen. An dem Schiff soll getestet werden, wie sich bis zu 500 Kilogramm schwere Sprengladungen unter Wasser auswirken. An Bord sollen nur Dummys sein, es geht aber darum, herauszufinden, wie Marineschiffe für die Besatzung sicherer gemacht werden können, sagt Jörg Normann von der Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung. 

"Wir wollen Messdaten gewinnen, um abzuleiten, ob die Modelle richtig rechnen um damit dann zukünftige Schiffsentwürfe verbessern zu können."
Jörg Normann, Wehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung​.

Jörg Normann arbeitet seit drei Jahren an dem Projekt – zusammen mit Sven Diedrichsen, der die Messtechnik leitet. Er hat das komplette Schiff mit Kabeln und Messsensoren ausgestattet, um hinterher genau sagen zu können, wie stark die Erschütterungen bei den Sprengungen sein werden. 

Widerstand gegen Sprengtests aus Tier- und Naturschutzgründen

Dass es zu den geplanten sechs Ansprengungen bisher noch nicht gekommen ist, liegt an dem Widerstand mehrerer Anwohner, Lokalpolitiker und Naturschützer. Der Vorsitzende der örtlichen Nabu-Gruppe, Christoph Jensen, sagt, er finde es skandalös, dass in der Ostsee immer noch gesprengt werde.  

"Die Ostsee ist das sensibelste Meer was wir haben, das ist wirklich sehr sensibel!"
Christoph Jensen, Nabu
Die Ostsee.
© Deutschlandfunk Nova | Johannes Kulms
Die Ostsee - hier sollen die Unterwasser-Sprengtests gemacht werden.

Der Bundeswehr-Sprengtest soll nahe des kleinen Ostseedorfs Schönhagen stattfinden, nur wenige Kilometer vor der Küste. Seit 1961 testen Bundeswehr und verwandte Einrichtungen in einem Sperrgebiet nahe der Schleimündung ihr Material. Etwa einmal im Monat gebe es Detonationen, sagt Frank Meyer vom Nabu. 

"Es ist wie ein kleines Erdbeben, die Häuser beben, Marmelade fällt aus dem Schrank. Und Angler bemerken: Es bleiben wochenlang Fische weg."
Frank Meyer, Nabu

Frank Meyer bezweifelt, dass diese Sprengtests im Meer stattfinden müssen – er glaubt, dass sie auch im Labor simuliert werden könnten und gibt zu bedenken: "Jedem Fisch platzt dabei schlicht und ergreifend die Schwimmblase."

Kompromiss: Tiere unter Wasser schützen

Schleswig-Holsteins neuer Umweltminister von den Grünen, Jan-Philipp Albrecht, sucht nach einem Kompromiss. Einerseits findet er, dass die Ansprengungen und Tests der Bundeswehr letztlich für alle relevant sind, andererseits will er sich aber auch um den Tierschutz kümmern. 

Für die besonders geräuschempfindlichen Schweinswale plant er, einen knapp zehn Kilometer langen Ring aus Unterwasserbojen um die Fregatte zu ziehen, durch den die Schweinswale ferngehalten werden sollen – durch Schall. Das sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, sagt Jan-Philipp Albrecht. Zunächst einmal werden in diesem Jahr aber wohl ziemlich sicher keine Ansprengungen mehr durchgeführt werden.

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