Mit schweren Rucksäcken durch den Schlamm robben, stundenlange Gewaltmärsche durch Wald und Wiesen: Die Grundausbildung der Bundeswehr gilt als körperlich anspruchsvoll - und soll jetzt noch härter werden. Wir haben mit dem Verteidigungsexperten Christian Thiels gesprochen.

Seitdem es die Wehrpflicht nicht mehr gibt, ist die Bundeswehr angewiesen auf Bewerber. Das Problem: Die aktuellen Bewerber sind zumindest in Teilen nicht fit genug. "Deswegen hat der Inspekteur des Heeres, der oberste Soldat der Landstreitkräfte gesagt: Naja, wir können die jetzt nicht wieder nach Hause schicken. Wenn jemand besonders schlau ist und zu uns passt, dann ist es uns lieber, wir schicken den ein paar Mal mehr auf die Trainingsbahn, als dass wir ihn wieder nach Hause schicken", erklärt der Verteidigungsexperte Christian Thiels.

Zahl der Zeit- und Berufssoldaten steigt nicht

Aktuell arbeiten rund 170.000 Zeit- und Berufssoldaten bei der Bundeswehr. "Und bei der Zahl dümpelt die Bundeswehr schon ziemlich lange rum. Und sie schafft es auch nicht, mehr Leute heranzuholen", sagt der Verteidigungsexperte. Denn der Plan ist schon lange, die Armee bis 2024 auf 200.000 Soldaten zu vergrößern.

Zu dick oder zu schlaksig - beides kann ein Problem sein

Die Bewerber, die körperlich nicht fit genug sind, haben entweder Übergewicht oder sie sind zu dünn und zu schlaksig – ohne Muskelmasse. Beides kann zum Problem werden, wenn Rekruten zum Beispiel über weite Strecken mit schweren Rucksäcken marschieren müssen. "Und dann ist das unter Umständen – wie in Afghanistan zum Beispiel – echt heiß", erklärt Christian Thiels, wenn dann noch eine Stresssituation entstehe, etwa durch ein Gefecht, dann erfordere das noch einmal mehr Konzentration und Kraft.

Wenn sich Menschen freiwillig bei der Bundeswehr bewerben, müssen sie verschiedene Einstellungstests durchlaufen, unter anderem Fitnesstests. Die seien allerdings nicht sehr anspruchsvoll, sagt Thiels: "Da ist ein Sprinttest dabei, da muss man innerhalb einer Minute fünf Runden auf einem sehr kleinen Parcours hinlegen." – Aufspringen, loslaufen, einmal um ein Hütchen herum und wieder zurück. Das muss man zehn Mal machen.

"Das ist ein sehr angenehmes Trabtempo, da kommt man wahrscheinlich kaum ins Schwitzen."
Christian Thiels, Verteidigungsexperte

Christian Thiels hat es selbst ausprobiert und sagt, diese kleinen Sprints seien durchaus machbar. Dann müssen angehende Soldaten fünf Sekunden lang mit dem Kinn über der Reckstange hängen können und der 1000-Meter-Lauf sollte unter sechs Minuten abgeschlossen sein.

Viele Bewerber schaffen diese Tests nicht. Jetzt habe die Bundeswehr zwei Möglichkeiten, sagt Christian Thiels, entweder sie halte an ihren Prinzipien fest und schicke all diese Bewerber nach Hause oder sie sagt: Okay, ihr schafft das noch nicht, aber wir machen euch so fit, dass ihr es demnächst schaffen werdet.

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