Beim Eislaufen denken wir an Winter. Eislaufen geht aber auch im Sommer – mit Kunsteis. Dafür wird Plastik als Platte geformt und kann überall verlegt werden. Das Kunsteis fühlt sie an wie echtes Eis, ist aber so warm wie seine Umgebung.

Schlittschuhlaufen ist ein typischer Wintersport. Ist es draußen kalt, können wir auf dem Weihnachtsmarkt oder in Eissporthallen über die Eisflächen gleiten. Die Saison für das Eislaufen ist also begrenzt – in Eissporthallen zum Beispiel auf sechs bis sieben Monate. Eisflächen auch im Sommer konstant zu kühlen, würde bei den warmen Temperaturen den Energiebedarf noch weiter in die Höhe treiben.

Kunsteis: Überall Schlittschuhlaufen

Mit Eis aus Kunststoff können wir das ganze Jahr über – unabhängig von der Temperatur – auf Schlittschuhen unterwegs sein. Denn: Es muss nicht gekühlt werden. Das synthetische Eis besteht aus zusammengedrücktem Kunststoff, in den ein Gleitmittel eingearbeitet ist. Beim Fahren ritzen die Kufen der Schlittschuhe das Plastik auf und das Gleitmittel kommt an die Oberfläche.

Synthetisches Eis in Plattenform

Weil das Kunsteis als Platte gepresst wird, kann die Eisbahn überall aufgebaut werden. In der Eissporthalle, am Strand oder im Tanzstudio. Tänzerin Katja Grohmann vom Ice Lab Leipzig legt die Kunsteis-Platten zum Beispiel auf die Theaterbühne oder in ihren Proberaum und trainiert auf ihnen mit Schlittschuhen. Katja Grohmann hat sich für das synthetische Eis des deutschen Herstellers Like Ice entschieden. Laut der Firma sollen die Eisplatten zehn bis zwanzig Jahre halten.

Weniger Energie verbrauchen

Dadurch spart sie einerseits die Miete für eine Eissporthalle ein und hat nur noch die Kosten für die Anschaffung der Eisplatten. Und zusätzlich ist das synthetische Eis auch umweltfreundlicher als eine Eishalle, die konstant Strom, Wasser und Kühlflüssigkeiten verbraucht.

"Die Kunststoffplatten haben den Vorteil, dass man sie ein Mal anschafft und es danach kaum Haltungskosten gibt. Sie laufen ohne zusätzliche Energie – man legt sie einfach auf den Boden und kann los skaten."
Katja Grohmann, vom Ice Lab Leipzig hat Kunsteis in ihrem Tanzstudio liegen

Beim Kunsteis sollen nur bei der Produktion CO2-Emissionen anfallen. Nach Herstellerangabe soll der Kunststoff keine giftigen Inhaltsstoffe enthalten und durch den Abrieb kein Mikroplastik entstehen. Unabhängige Studien dazu fehlen bisher aber noch. Auch vom Umweltbundesamt gibt es noch kein Fazit zum Kunsteis.

Kunsteis für den Eissport

Für den Eissport sieht Eishockey-Trainer Andreas Schrills vom Neusser EV das Kunsteis als Alternative. Seine Jugend-Mannschaft trainiert seit dem Sommer auf dem Kunsteis der Schweizer Firma Glice. Damit können sie auch auf dem Eis unterwegs sein, wenn die eigentliche Saison in den Wintermonaten vorbei ist.

Im Vergleich zum tatsächlichen Eis merkt er bei der synthetischen Alternative kaum einen Unterschied. "Ich kann darauf parsen und schießen. Das ist eins zu eins wie auf echtem Eis", sagt er. Weil das Gleiten auf dem Kunsteis etwas schwerfälliger ist, müssen sich seine Schüler*innen mehr bewegen und brauchen mehr Kraft, um weiterzukommen.

Fazit: Eine Alternative ja, ein Ersatz nein

Für den Verein ist aber klar, dass sie im Winter wieder auf echtem Eis trainieren möchten. Das Kunsteis ist eine gute Alternative, aber keine Konkurrenz für das natürliche Eis, findet er. Zumal es im Eissport nicht für Wettbewerbe zugelassen ist. Tänzerin Katja Grohmann sieht das Kunsteis auch als Ergänzung an. Von echtem Eis möchte sie sich noch nicht verabschieden.

"Im Moment ist das Kunsteis eine schöne Ergänzung, aber kein Ersatz für echtes Eis."
Andreas Schrills, Trainer beim Neusser EV