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Wespe gegen Flugzeug: Nisten Schlüssellochwespen unentdeckt in den Pitot-Rohren von Flugzeugen, kann das zum Absturz führen.

Die Schlüssellochwespe ist eine kleine tropische Wespenart, die ihre Nester bevorzugt in künstlichen Hohlräumen baut. Dazu zählen vor allem Fensterspalten, Steckdosen, Schlüssellöcher, aber auch die Pitot-Rohre von Flugzeugen.

"Benannt wurde das Pitot-Rohr nach seinem Erfinder, dem französischen Wissenschaftler Henri de Pitot."
Mario Ludwig, Biologe

Pitot-Rohre sind spezielle Flugzeuginstrumente, auch als Staubdrucksonden bekannt, die unter anderem bei Flugzeugen zur Geschwindigkeitsmessung genutzt werden.

Wird diese Sonde durch ein Wespennest verstopft, dann liefert sie falsche Informationen, die die Flugsicherheit stark einschränken können. Schlimmstenfalls kann dadurch ein Absturz verursacht werden.

"Bei Flugzeugen sind die Pitot-Rohre vorn am Flugzeug angebracht, wo die anströmende Luft noch möglichst ungestört auf den Rumpf trifft."
Mario Ludwig, Biologe

1996 stürzte eine Boeing 757 der türkischen Fluggesellschaft Birgen-Air kurz nach dem Start in der Dominikanischen Republik ins Meer. 189 Menschen, darunter viele deutsche Urlauber, starben. Die Absturzursache war, wie man später feststellte, ein Insekt, das vor dem Start in ein Pitot-Rohr geraten war und es verstopft hatte.

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Ursprünglich ist die Schlüssellochwespe in Südamerika beheimatet. In Europa kommt sie gar nicht vor. Aus Südamerika ist sie in die USA gelangt und von dort aus nach Australien eingeschleppt worden.

Häufig Probleme am Flughafen Brisbane

Und in Australien, genauer gesagt am Flughafen Brisbane, wurden innerhalb von drei Jahren, 26 mal Probleme an Flugzeugen festgestellt, die durch die Nester von Schlüssellochwespen in Pitot-Rohren verursacht worden sind. Daraufhin hat ein Team der Universität Brisbane das Verhalten der Schlüsselochwespen in Bezug auf Pitot-Rohre genauer untersucht.

Mithilfe eines 3D-Druckers haben die australischen Forschenden 72 Nachbildungen von Pitot-Rohren angefertigt und diese an verschiedenen Stellen des Flughafens platziert. Unter diesen Attrappen befanden sich Nachbildungen der Pitot-Rohre einer Boeing 737, eines Airbus A320 und eines Airbus 330.

Im Untersuchungszeitraum von Februar 2016 bis April 2019 haben die Forschenden die Attrappen 49 mal auf eine Besiedlung durch Schlüssellochwespen untersucht. Und jedes Mal, wenn ein künstliches Pitot-Rohr durch ein Wespennest besiedelt war, haben sie es durch ein neues Kunstrohr ersetzt.

Rohre werden innerhalb weniger Stunden besiedelt

Die australischen Forschenden fanden heraus, dass im Untersuchungszeitraum 93 Attrappen von Pitot-Rohren komplett durch die Nester der Schlüssellochwespen verstopft worden waren.

Die Rohre wurden oft innerhalb weniger Stunden besiedelt. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Wespen bevorzugen Rohre mit einem Durchmesser von mehr als drei Millimetern.

Plastikklappen für die Rohre

Inzwischen sichern Mitarbeitende des Flughafens die Pitot-Rohre, indem sie mit Rampen an den Flugzeugnasen hochfahren und die Rohre mit kleinen Plastikklappen schützen.