Nach dem Kölner Cannabis-Urteil vor einem Jahr sollte es Schmerzpatienten erlaubt sein für den Eigenbedarf Grass anzubauen. Warum das nicht so ist, hat uns Günter Weiglein erzählt hat. Er ist Schmerzpatient und einer der Kläger.

Das Urteil ist vor einem Jahr gefallen. Trotzdem weigert sich das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bis heute eine Genehmigung zu erteilen. Stattdessen ist es in Berufung gegangen. Wann die nächste Verhandlung fällig wird, ist noch nicht klar. "Die Sorgen des Bundesinstituts sind überhaupt nicht berechtigt", argumentiert Günter Weiglein, "es ist bewiesen, dass sich seit der Entstehung der Menschheit noch niemand an Cannabis überdosiert hat."

Gras ist oft ausverkauft

Einen kleinen Fortschritt scheint es aber zu geben: Die Krankenkassen haben angekündigt, ab 2016 Kosten für Cannabis, das Schmerzpatienten in der Apotheke kaufen, zu übernehmen. Das kommt Jahre zu spät, meint Günter Weiglein

"Dass die Krankenkassen die Kosten für Cannabis übernehmen, wird nur deswegen umgesetzt, um unsere Klage auf Anbau vor dem Bundesverwaltungsgericht zu kippen."
Günter Weiglein ist Käger vor dem Bundesverwaltungsgericht

Etwa 400 Schmerzpatienten, die zur Linderung Cannabis konsumieren, gibt es in Deutschland. Sie müssen selbst bezahlen. Dabei bietet der Schwarzmarkt das Doppelte fürs Geld. Der Bedarf den Günther Weiglein vom Arzt genehmigt bekommt - zwei Gramm am Tag - würde in der Apotheke im Monat um die 900 Euro kosten. Deutsche Apotheken verkaufen übrigens nur Grass, das in holländischen Apotheken übrig ist.

"Wenn mal was verfügbar ist, hole ich mir hin und wieder Grass aus der Apotheke. Die Preise liegen etwa das Doppelte über dem Schwarzmarktpreis. Deshalb decke ich mich gelegentlich mit Grass von meinem Nachbarn ein."
Günter Weiglein ist Käger vor dem Bundesverwaltungsgericht

Und das Apothekengrass ist nicht ohne weiteres besser. Es ist nur offiziell geprüft. Ein weiteres Problem gibt es dennoch: Cannabis unterscheidet sich in einer Beziehung nicht von schulmedizinischen Schmerzmitteln. Nach Monaten setzt eine Toleranz ein. Dann müsste die Dosis erhöht werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Ein Sortenwechsel könnte das verhindern. Eigenanbau wäre die Lösung - und viel günstiger. Die vier Sorten, die Apotheken anbieten, hat Günther Weiglein schon seit Jahren durch.