Schnelles Internet egal, wo ihr in Deutschland lebt: Die Deutsche Bahn AG möchte beim Breitbandausbau helfen und bietet das Mieten ihres Glasfasernetzes an. Internet- und Mobilfunkanbieter können also jetzt loslegen, wenn sie Kundinnen und Kunden mehr Geschwindigkeit anbieten möchten.

In vielen Teilen von Deutschland kann die Internetverbindung ab sofort schneller werden – mithilfe der Deutsche Bahn AG. Das Unternehmen hat bekannt gegeben: Internet- und Mobilfunkanbieter dürfen ihre Glasfaserleitungen mitbenutzen.

Gemeint sind damit insgesamt 18.500 Kilometer an Glasfaserleitungen, die in einem Kabelschacht entlang der Bahnstrecke liegen und die die Bahn unter anderem zum Steuern ihres Zugverkehrs benutzt – es gibt aber noch freie Kapazitäten.

Für den Breitbandausbau sind die 18.500 Kilometer eine Möglichkeit für mehr Leistung. Zusätzlich könnte sich das Glasfasernetz um 15.000 weitere Kilometer vergrößern. Die müssten aber noch in den freien Kabelschächten verlegt werden. Im Vergleich zu den bereits verlegten kilometerlangen Leitungen vieler Anbieter, sei das ein relevanter Beitrag, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler.

Mehr Glasfaserleitungen bedeuten schnelles Internet und besseren Mobilfunk

Für Internet- und Mobilfunkanbieter bedeutet das: Mieten sie einen Teil der Leistungskapazität bei der Deutsche Bahn AG, können sie zum Beispiel schnelles Internet an Orten anbieten, die bisher noch keines haben. Denn: Das Glasfasernetz der Bahn erstreckt sich quer durch Deutschland bis hin zu eher abgelegenen Bahnhöfen, wie die Deutsche Bahn AG schreibt. Zudem können Mobilfunkanbieter mehr Mobilfunkmasten aufstellen und sie an die Glasfaserleitung anschließen. Das würde den Ausbau von 4G und 5G unterstützen.

Das heißt für euch: Die Chance auf schnelleres Internet und einen besseren Mobilfunk steigen. Offen ist bisher aber noch, wie und ob die Internet- und Mobilfunkanbieter das Glasfasernetz der Bahn nutzen. Zudem könne eine flächendeckende, stabile Mobilfunkversorgung entlang der Schienenstrecken für einen attraktiveren Eisenbahnverkehr sorgen, meint die Bahn. Dafür braucht es aber eben mehr Mobilfunkmasten.

"Die Chance ist gestiegen, dass der Ausbau von schnellem Internet und Mobilfunk etwas vorangeht."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Und auch dann ist mobiles Internet im Zug ein anspruchsvolles Ziel, erklärt Konstantin. Denn wenn wir mit dem Zug unterwegs sind, muss sich unser Smartphone immer wieder in einen neuen Mobilfunkmast einwählen. Durch den ständigen Wechsel, werden die Mobilfunkmasten unregelmäßig belastet: Sobald ein Zug vorbeifährt, kommt es zu einer starken Belastung des Mobilfunkmastes, nachdem der Zug weg ist, werden sie wieder kaum belastet. Technisch sei das eine Herausforderung, sagt Konstantin. Klar ist auch noch nicht, ob der Ausbau von Mobilfunkmasten wirtschaftlich für die Mobilfunkanbieter sei.

"Mobiles Internet im Zug hinzukriegen, ist so ziemlich das Schwierigste, was man machen kann."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Thomas Polzer, Leiter des Studiengangs Telekommunikation und Internettechnologien an der Fachhochschule Wien rät daher: Soll das mobile Internet im Zug für alle stabil bleiben, müssen wir gegenseitig Rücksicht aufeinander nehmen. Das Streamen von Videos oder den Download vieler Dateien sei im Zug daher keine gute Idee, sagte er derstandard.de in einem Interview.

Die Idee, das Glasfasernetz der Deutsche Bahn AG zu nutzen, kam im vergangenen Jahr schon auf. Jetzt ist aus der Idee ein Beschluss geworden – zumindest seitens der Bahn.