Silikonkissen werden in Kliniken mittlerweile standardmäßig eingesetzt. Doch gesundheitliche Folgen sind nicht auszuschließen: Dafür entscheidend ist auch die Oberfläche der Brustimplantate. Die hat sich über die Jahrzehnte geändert.

Die festen Silikonkissen wurden ab den 1960er-Jahren genutzt. Aber Brustimplantate gab es schon vorher: Es wurden zum Beispiel Rinderknorpel oder Glaskugeln genutzt, so Sophie Stigler aus der Deutschlandfunk Nova-Nachrichtenredaktion. Es wurde auch Bienenwachs gespritzt. "Mit zum Teil üblen Ergebnissen, sodass Brüste wieder amputiert werden musste", sagt Sophie.

Die ersten Silikonkissen waren glatt

Die Silikonkissen haben über die Jahrzehnte ihre Oberfläche stark verändert. Zu Beginn waren sie noch außen glatt und durchsichtig. Ab den 1980er-Jahren dann außen sehr rau. "Sie sehen zum Teil aus wie diese sauren Weingummis mit Zucker außen", sagt Sophie. Heute sind die Kissen auch angeraut, aber weniger stark.
"Die heutigen Silikonkissen sind auch angeraut, aber nicht so stark."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova-Nachrichten

Dass die Silikonkissen über die Zeit rauer wurden, hat mit der Kapselfibrose zu tun, die einige Frauen bekamen. Es ist eine Reaktion auf Fremdkörper. Dabei bildet sich rund um das Implantat Narbengewebe, das das Kissen zusammendrückt. Nicht nur, dass sich dann die Form verändert, vor allem erleiden die Frauen Schmerzen. Die Implantate wurden teils wieder entnommen.

Deswegen wurden ab den 1980er-Jahren Brustimplantate produziert, die außen angeraut sind. Damit sollte verhindert werden, dass sich Narbengewebe bildet. Und die Silikonkissen sollten weniger verrutschen können.
"Es kamen Brustimplantate auf den Markt, die außen angeraut sind. Damit sollte Narbengewebe verhindert werden."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova-Nachrichten

Aber auch das war keine Lösung: Vor ein paar Jahren hat die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA besonders raue Brustimplantate zurückrufen lassen, so Sophie. Denn manche Patientinnen hatten einen bestimmten Krebs bekommen: eine seltene Krebsform, die die T-Zellen des Immunsystems betrifft.

Daraufhin untersuchte ein Forschungsteam vom MIT in den USA fünf Typen von Silikon-Implantaten, die unterschiedlich glatt beziehungsweise rau waren. Die Implantate wurden in Miniaturform nachproduziert und dann Mäusen sowie Kaninchen eingesetzt.

Tierversuche für die Schönheitsindustrie

Das Ergebnis war eindeutig. Bei den raueren Implantaten wurden Fresszellen des Immunsystems aktiv: Sie fressen normalerweise eigenen Zellmüll und fremde Zellen auf. Doch entlang der aufgerauten Silikonstrukturen reiben sie sich am Gewebe rund um das Implantat. Dadurch können Entzündungen ausgelöst werden. Vor allem aber werden kleine Bestandteile abgerieben, die ins Körpergewebe wandern. In diesem Fall wird das Immunsystem alarmiert, was zum Krebs bei T-Zellen führen kann. Die Ergebnisse aus den Tierversuchen passen zu Tests an menschlichen Gewebeproben, die zusätzlich gemacht wurden, so Sophie.

Das bedeutet, das Silikonkissen weder sehr glatt noch sehr rau sein sollten. "Was dazwischen ist am besten", sagt Sophie. Inzwischen gibt es Silikonimplantate, die etwas aufgeraut sind, aber eben nicht stark, sodass keine großen Unregelmäßigkeiten entstehen. Die Oberflächen sind so beschaffen, dass sie in etwa den Dimensionen der Zellen im Gewebe rund um die Brust entsprechen. "Man spricht von Oberflächen-Architektur", sagt Sophie. Diese Varianten werden laut Studien am ehesten vom Körper toleriert. Aber nichtsdestotrotz: Implantate halten nicht ewig. Viele müssen nach zehn bis 20 Jahren entfernt werden.