Das Leben ist oft noch viel krasser und absurder, als Literatur es zu beschreiben vermag, sagt die Schriftstellerin Kerstin Hensel. "Wir können an den Widersprüchen der Welt verzweifeln – oder wir können über sie lachen."

Satire und Groteske gehören zum Handwerk der komischen Literatur. Doch wie absurd oder krass die Schilderungen auch sein mögen, an die Wirklichkeit kommen sie kaum ran.

"Vieles, was in der Literatur an schrägen, krassen und absurden Schilderungen zu finden ist, ist keine Übertreibung. Die Realität hält noch viel Unglaublicheres, noch viel Abgründigeres bereit als das, was Literatur, Kunst überhaupt, darzustellen vermag."
Kerstin Hensel, Schriftstellerin

Wie kann man als Schriftstellerin die Widersprüche des Lebens darstellen? Wie kann man sich der Wirklichkeit nähern, mit all ihren Schrecken, ohne an ihr zugrunde zu gehen? Das sind Fragen, die Kerstin Hensel in ihrer Vorlesung zu beantworten versucht. Dabei nimmt sie ihr eigenes Werk, ihre Prosa und Lyrik, genauer in den Blick und setzt sie in Bezug zu ihrer Lebensgeschichte.

"Als Autor muss man den Irrsinn der Geschehnisse erkennen, um ihn für andere sichtbar zu machen."
Kerstin Hensel, Schriftstellerin

Lachen, Humor, Witz und Groteske spielen für Kerstin Hensel dabei stets eine wichtige Rolle. Lachen sei eine Art Teufelsaustreibung, sagt sie. Es schafft Distanz und Klarheit. Auf den ersten Blick steht das Komische im Vordergrund von Kerstin Hensels Schreiben. Doch die Frage, um die es ihr eigentlich geht, lautet, wie Macht, Verheißung und Verführung funktionieren.

"In fast allen meinen literarischen Texten treibt mich die Frage, wie Macht, Verheißung und Verführung funktionieren."
Kerstin Hensel, Schriftstellerin

Schriftsteller und Schriftstellerinnen reden selten gerne über ihr Werk. Sie erklären auch ungern, wie das, was sie schreiben, mit ihrer eigenen Biographie zusammenhängt. So geht es auch Kerstin Hensel. Das macht ihre Vorlesung umso interessanter. Denn darin tut sie genau das.

"Komik und Humor sind nichts Oberflächliches, sondern das tiefe Einverständnis in die Absurdität unserer Existenz. Wir können an den Widersprüchen der Welt verzweifeln oder wir können über sie lachen."
Kerstin Hensel, Schriftstellerin

Kerstin Hensels Vorlesung trägt den Titel "Närrin auf schwarzem Grund". Sie hat sie am 25. Oktober 2021 gehalten, an der Universität Münster im Rahmen der 4. Münsteraner Poetikdozentur. Ausgerichtet wird die Poetikdozentur vom Germanistischen Institut der Universität Münster in Zusammenarbeit mit der Studiobühne Münster.