Eigentlich wollte China den Handel mit Schuppentieren eindämmen. Reine Rhetorik, sagt der Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens. Der Irrglaube an die medizinische Wirkung ihrer Schuppen und ihres Fleisches werde die Tiere in wenigen Jahren wohl völlig ausrotten.

Ihre Schuppen schützen sie fast perfekt vor Fressfeinden. Einmal zusammengerollt, sind Schuppentiere beinahe unknackbar sicher. Ihre Schuppen und ihr Fleisch sind allerdings beim Menschen so beliebt, dass das Schuppentier noch weit vor dem Nashorn das weltweit am häufigsten gewilderte und illegal gehandelte Tier ist. "Wenn man sie bedroht, kann man sie einfach wie einen Apfel vom Baum pflücken", sagt der Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens.

Pangoline – weltweit bedroht

Besonders in China ist der Glaube an die Heilsamkeit des Tiers weit verbreitet. Der illegale Handel hat so große Ausmaße angenommen, dass Schuppentiere in weiten Teilen Asiens und inzwischen wohl auch in Afrika vom Aussterben bedroht sind. "Inzwischen werden auch die vier afrikanischen Pangolinarten komplett bejagt und für diese traditionelle Medizin vernichtet", berichtet Dirk Steffens.

"Der Aberglaube sagt, dass die Stoffe, die in diesen Schuppen sind, eine heilende Wirkung hätten."
Dirk Steffens, Wissenschaftsjournalist und Naturreporter

Eigentlich hat die chinesische Regierung im Frühsommer 2020 angekündigt, den Handel mit Schuppentierprodukten, dem Fleisch und den Schuppen der Tiere einzugrenzen. Ein Grund dürfte die Vermutung sein, Sars-CoV-2 habe sich ursprünglich von Schuppentieren auf den Menschen übertragen.

"Es wird immer noch davon ausgegangen, dass die Infektionskette über Fledermäuse und Schuppentiere auf den Menschen vollzogen worden ist."
Dirk Steffens, Wissenschaftsjournalist und Naturreporter über den Übertragungsweg von Sars-CoV-2

De facto ist der Handel mit Schuppentierprodukten allerdings auf Wachstumskurs. Die Britische Naturschutzorganisation Environmental Investigation Agency weist in einer detaillierten Untersuchung nach, dass rund 220 chinesische Firmen Lizenzen für die Herstellung von Schuppentierprodukten haben und dass 56 von ihnen diese Produkte auch ganz offen bewerben.

Zehn Jahre bleiben ihnen vielleicht noch

Zwar versuchen Naturschützer in Wildreservaten – beispielsweise im Osten Südafrikas und in Thailand – kleine Schuppentierpopulationen aufzubauen und die Spezies zu retten. Angesichts der Geschwindigkeit mit der die Tiere in freier Wildbahn getötet werden, ist das allerdings ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen.

"Wir müssen damit rechnen, dass innerhalb von einem Jahrzehnt auch die afrikanischen Pangoline verschwinden werden."
Dirk Steffens, Wissenschaftsjournalist und Naturreporter