Schwarz ist keine Farbe, sondern ein Zustand. Oder eine Weltanschauung. Das gilt zumindest manchmal für die Schwarze Szene. Klar, dass sind diejenigen, die einen Sarg im Wohnzimmer stehen haben. Könnte man meinen, ist aber nicht unbedingt so. Die Schwarze Szene ist wesentlich bunter.

Wer sämtliche Subgenres der Schwarzen Szene aufzählen möchte, muss viel Zeit mitbringen. Oder ein Lexikon dazu schreiben. Grufties, Waver, Punker, Cyber-Grufties, Fetisch-Freunde, Rollenspieler und unzählige andere können sich "mehr oder weniger friedlich unter dem Dach der Schwarzen Szene verorten", erklärt Gabriele Rohmann vom Archiv der Jugendkulturen in Berlin.

Melancholische Punks

Die Kurzfassung: Irgendwann in den 70ern gab es melancholische Punks, die gern auf Friedhöfen rumhingen und von früheren Jahrhunderten träumten. Heute gibt es Cyber-Grufties, die mit Gasmasken auf Partys gehen, etwas Neon ins klassische Schwarz kippen und eher elektronische Musik hören. Und natürlich gibt es immer noch, diejenigen, die sich kleiden wie Marie Antoinette vor der Enthauptung. Oder danach.

"Das hat mit Rollenspielen zu tun. Das ist eine Kostümierung. Dadurch entsteht eine gewisse Distanz und Ironisierung. Die schwarze Szene ist aus dem Punk entstanden."

"Gesucht: Der Mann mit dem dunklen Mantel"

Michael Kämpfer, der Inhaber des Ladens "Art of Dark", hat einen Sarg bei sich zu Hause stehen: Aber er schläft nicht drin. Sondern nutzt ihn als Aufbewahrungsmöbel für seine Platten. Überhaupt ist Kämpfer kein unironischer Typ. In seinem Laden hängen zum Beispiel Ausschnitte aus Boulevard-Zeitungen: "Polizei jagt Satanisten". Oder: "Gesucht: Der Mann mit dem dunklen Mantel".

"Der Begriff Gruftie kommt von der Bild-Zeitung. Die haben in Umlauf gebracht, Grufties würden auf Friedhöfen sitzen und würden da Katzen schlachten, Leichen schänden. Die haben das Bild des Grufties total verzerrt."
Satanisten
© Panajotis Gavrilis | DRadio Wissen
"Polizei jagt Satanisten" - Der Boulevard hat die Grufties gern.