In China sterben massenhaft Schweine an der Schweinepest, die weltweite Nachfrage nach Schweinefleisch steigt. Der Preis zieht auch hierzulande an – aber nur sehr moderat. Denn der Fleisch-Export nach China ist für die Schlachtunternehmen kompliziert.

Seit einem Jahr grassiert in China die afrikanische Schweinepest. Die wirtschaftlichen Schäden sind gigantisch. Bis zum Jahresende 2019 könnten zwischen 20 und 50 Prozent des Bestandes in China hinweggerafft worden sein. Als weltgrößter Schweinefleischkonsument muss China jetzt auf dem Weltmarkt einkaufen und treibt die Preise in die Höhe.

Wir haben mit Matthias Quaing über die Auswirkungen der Schweinepest in China auf den Fleischmarkt gesprochen. Er ist Marktexperte der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands. Er erklärt, warum die Preise auch bei uns steigen. Bisher wären hauptsächlich bestimmte Teile vom Schwein exportiert worden.

Koteletts als Exportware

Die Koteletts sind eher in Deutschland geblieben, berichtet Matthias Quaing, die Öhrchen, Pfötchen, Schwänzchen wurden hingegen exportiert – insbesondere nach China. Jetzt kaufen chinesische Händler auch die Koteletts und zahlten sogar mehr dafür.

"Die Schlachtunternehmen können sich gerade aussuchen, ob sie die Schweine an den deutschen Supermarkt oder an den chinesischen Händler verkaufen – sonst waren es nur bestimmte Artikel."

Der Experte für den Schweinemarkt glaubt allerdings auch, dass das Fleisch hierzulande nicht viel teurerer werden wird. Die Kapazitäten nach China zu liefern, seien begrenzt. Außerdem lege die chinesische Seite großen Wert darauf, dass nur zertifizierte und registrierte Schlachtunternehmen Fleisch liefern. Um die Lizenzen zu bekommen, durchliefen Schlachtunternehmen einen langen und komplizierten Prozess. Hinzu komme auch, dass momentan ganz praktisch die Kühlhäuser fehlen würden, um das Fleisch umzusetzen.

"Fleisch wird mit Sicherheit nicht so knapp, dass es unwahrscheinlich teuer wird, so wie es China im Moment der Fall ist, wo Schweinepreise verdreifacht, vervierfacht sind."

Der Experte für diesen Bereich des Agrarmarkts sagt, dass Deutschland, Spanien, USA und Brasilien die größten Exportländer für Schweinefleisch sind. Die wichtigsten Importländer sind hingegen asiatische Länder – insbesondere China und Japan. Gleichzeitig werden in Asien auch die allermeisten Schweine der Welt gehalten.

"In China stand zumindest mal jedes zweite Schwein auf der Welt. Das macht diesen riesen Sog aus im Moment, wenn in China jedes zweite Schwein von der afrikanischen Schweinepest betroffen ist. "

Für Schweinfleischproduzenten in Deutschland sind die Zeiten aktuell verhältnismäßig gut. Matthias Quaing weist allerdings darauf hin, dass das Jahr 2018 katastrophal war. Da hätten die Schweinehalter im Durchschnitt Verlust gemacht. Der Durchschnittspreis habe bei gut 140 Euro gelegen, angesichts von 160 Euro Produktionskosten. Aktuell liege er bei 180 Euro, sagt Matthias Quaing. Eine Übersicht der Schlachtpreise seit 2015 stellt die Europäische Kommission bereit.

"Die Euphorie wächst bei den Landwirten jetzt nicht in den Himmel. Natürlich sind sie froh, dass sich die schlechte Marktstimmung gedreht hat."

Matthias Quaing ist allerdings auch überzeugt, dass die Schweinehalter wissen, dass die aktuelle Preisentwicklung nicht ewig anhalten wird.