Mit 15 hat er die Schule abgebrochen, heute ist er einer der erfolgreichsten Welterklärer überhaupt: In seinem Youtube-Kanal "Kurzgesagt" macht Philipp Dettmer aus komplexen Wissenschafts-Infos verständliche und unterhaltsame Clips und erreicht damit Millionen.

Welterklärer. Das klingt nach erhobenem Zeigefinger, Lehrerattitüde, langweiligen Monologen. Auf Philipp Dettmer trifft nichts davon zu - bis auf das Erklären. Das kann er nämlich richtig gut offensichtlich: Seinem Youtube-Kanal "Kurzgesagt - In a nutshell" folgen mehr als 17 Millionen Abonnent*innen.

In animierten Clips erklärt er dort die komplexesten Dinge einfach und verständlich. Wurmlöcher zum Beispiel, wie unser Bewusstsein entsteht oder wie unser Immunsystem funktioniert. Und "wir machen auch jede Menge Blödsinn", sagt Philipp, zum Beispiel Clips, die erklären, was passieren würde, wenn man alle Atomwaffen der Welt auf einen Haufen schmeißen und zünden würde.

Screenshot aus dem Youtube-Video "Das Immunsystem erklärt" von Kurzgesagt
Screenshot aus einem Youtube-Video von Kurzgesagt

"Wir" - das ist Philipp mit seinem Team von mittlerweile mehr als 40 Menschen: Designer*innen, Rechercheur*innen, Faktenchecker*innen und mehr. Aber von vorne: Philipp Dettmer startet das Projekt nach der Uni vor etwa acht Jahren, erzählt er im Interview mit Deutschlandfunk-Nova-Moderator Sebastian Sonntag. Eigentlich geht es damals auf Deutsch los.

"Damals, als ich das gestartet habe, dachte ich, es ist für Deutschland. Nur hat es halt hier keinen interessiert."

Aber die ersten Clips stoßen nicht auf genug Interesse, als dass sich die Arbeit gerechnet hätte. Die Klickzahlen dümpeln träge vor sich hin, und im Grunde ist längst ein Haken an dem Vorhaben, als Philipp aus einem Bauchgefühl heraus einen Clip dann noch auf Englisch hochlädt.

as Video geht viral. Der Rest ist Geschichte. Erfolgsgeschichte.

"Ich hatte null Bock. Ich hab' Schule zutiefst gehasst."
Philipp Dettmer, Science-Youtuber

Überhaupt ist Philipps Welterklärer-Bio nicht eben die straighteste. Seine Eltern zumindest hätten seine Karriere wohl eher nicht vorausgesagt: Mit 15 Jahren bricht er die Schule ab, erzählt er, und holt mit 21 dann aber noch sein Abi nach. Nach einem kleinen Fächer-Umweg studiert er letztendlich Kommunikationsdesign und rutscht darüber irgendwie in die Wissenschaftskommunikation.

"Was ich gut kann, ist komplexe Dinge runterzubrechen in einfacher Sprache."
Philipp Dettmer, Science-Youtuber

Komplexes einfach und richtig zu erklären, das ist sein Talent, sagt Philipp. Aber Dinge zu Vereinfachen und zu entscheiden, was man weglassen kann, das ist auch immer eine schwierige Balance, gibt er zu. Da kann auch schon mal was schiefgehen: Er musste auch schon mal Videos löschen, verrät er - trotz stundenlanger Faktenchecks und dem regelmäßigen Abgleich mit mehreren Expert*innen.

Philipps erklärtes Ziel: Begeisterung und Neugier für Wissenschaft zu wecken. Das darf man aber nicht mit Wissenschaftsbildung verwechseln, ergänzt er, vielmehr sieht er die Clips als eine Art Einstieg.

Erklärvideos als Einstiegsdroge

Letztendlich ist diese Idee übrigens auch Ergebnis seiner eigenen Bildungsbiografie: Nachdem Philipp vom Gymnasium fliegt, landet er auf einer Art Auffangschule. Dort gibt es eine Lehrerin, die sich in ihrem Unterricht nicht an Details klammert, sondern die großen Zusammenhänge verständlich macht.

In einer ihrer Unterrichtsstunden macht es dann Klick, erinnert sich Philipp. Plötzlich findet er den Stoff spannend. Er geht nach Hause, klappt das Geschichtsbuch auf und fängt an zu lesen. Und genau solche Aha-Momente versuche er, mit den Videos zu schaffen.

"Was ich heute mache, was das erklärte Ziel ist, ist diesen Moment in so vielen Leuten zu erzeugen wie möglich."
Philipp Dettmer, Science-Youtuber

Die Schule hatte Neugier und Begeisterung aus ihm "rausgeprügelt", sagt er rückblickend – und diese eine Lehrerin hat in ihm wieder den Bock auf Wissen geweckt. Er kapierte dank ihr: "Die Sache an sich ist nicht langweilig, sondern wie sie vermittelt wird."

Was Philipp Dettmers persönliches Lieblingsthema ist, wie seine Videos entstehen (kleiner Spoiler: in einem Clip stecken mindestens 1200 Arbeitsstunden, sagt er!) und wie gut man davon leben kann und sich dabei seine Unabhängigkeit wahrt, das und mehr erzählt er im Interview. Außerdem geht es um sein Buch "Immun – Alles über das faszinierende System, das uns am Leben hält". Das ganze Gespräch hört ihr, wenn ihr oben auf Play klickt.