Der Leibarzt des US-Präsidenten Sean Conley ist weltberühmt geworden – dank seines Patienten Donald Trump. Tatsächlich ist er dem Präsidenten näher als viele andere und hat so etwas wie die Rolle eines Notfallmediziners, denn zu ihm kommt Trump, wenn es brennt, sagt unsere Korrespondentin Doris Simon.

Sean Conley ist der Mediziner, der Donald Trump in den vergangenen Tagen besonders intensiv begleitet hat und auch weiterhin begleitet. Trump lag erst in der Walter Reed-Militärklinik, jetzt wieder im Weißen Haus. Und für jeden Medikamenteneinsatz, für jede medizinische Maßnahme ist Conley der Ansprechpartner Nummer eins.

Auftritte vor Kameras sind eigentlich nicht seine wichtigste Aufgabe. Trotzdem dürfte man ihn im Weißen Haus gerne vorschicken, da er es schafft, optisch gut zu wirken und auch angemessen zu repräsentieren – gleichzeitig aber inhaltlich vage zu bleiben. So beschreibt es Doris Simon, Deutschlandfunk-Korrespondentin in Washington.

"Sean Conley ist bekannt geworden durch seine fernsehgerechten Auftritte, wo er zwar fotogen im weißen Kittel dastand, aber in der Substanz recht wenig gesagt hat."
Doris Simon, Deutschlandfunk-Korrespondentin in Washington

Dabei ist Sean Conley eigentlich gar nicht der übliche Hausarzt von Donald Trump. Wie fast alle Leibärzte der amerikanischen Präsidenten ist auch Sean Conley ein Soldat. Er ist sogar Offizier bei der US Navy und war bereits in Afghanistan im Einsatz. Dafür hat er die rumänische Ehrenmedaille verliehen bekommen, weil er einem rumänischen Soldaten nach einer Explosion das Leben gerettet hat.

Soldat und Mediziner

Seit März 2018 ist Conley der Mediziner im Weißen Haus, seit Mai der persönliche Arzt des Präsidenten. Das bedeutet auch, dass er dem amtierenden Präsidenten nah sein muss. "Das Zimmer des Leibarztes im Weißen Haus ist gegenüber dem privaten Aufzug des Präsidenten", sagt Doris Simon. Damit gebe es eine gute Chance, dass der Arzt an den meisten Tagen der erste und der letzte Mitarbeiter ist, der den Präsidenten sieht.

"Donald Trump scheint Conley verboten zu haben, genauere Auskunft über seinen Gesundheitszustand zu geben."
Doris Simon, Deutschlandfunk-Korrespondentin in Washington

Dabei haben die Leibärzte eine kniffelige Situation: Als Ärzte sind sie am Wohlergehen ihrer Patienten interessiert, als Militärs sind sie aber auch ihre direkten Untergebenen. Der Präsident ist der Oberbefehlshaber der US-Armee, Soldaten haben keinen wichtigeren Vorgesetzten.

"Das erklärt vielleicht auch, warum Sean Conley derzeit entweder so ausweichend oder so widersprüchlich oder so knapp an der Wahrheit vorbei antwortet", sagt Doris Simon. "Donald Trump scheint Conley verboten zu haben, genauere Auskunft über seinen Gesundheitszustand zu geben."

Leibärzte sind Notfallmediziner

Dass Trump jetzt nicht mehr im Walter-Reed-Krankenhaus ist, dürften Conley und seine Kolleginnen und Kollegen vermutlich recht entspannt sehen. Im Weißen Haus gibt es eine eigene medizinische Abteilung, die auch für den Vize-Präsidenten und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig ist.

Diese Abteilung ist also gut ausgestattet: "Da gibt es noch andere Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern, da gibt es Medizintechnik", beschreibt Doris Simon. Arzt zu sein beim Präsidenten, soll so sein, als sei man Notfallmediziner: "Da geht man hin, wenn es wirklich brennt."