Manos Radisoglou fliegt über das Mittelmeer, um in Not geratene Flüchtlinge zu orten. Er tut das ehrenamtlich, für die Schweizer Organisation "Humanitarian Pilots Initiative", die mit Sea-Watch zusammenarbeitet.

Den Blick von oben hat Manos Radisoglou, wenn er mit der Propellermaschine der "Humanitarian Pilots Initiative" (HPI) aufs Mittelmeer blickt: Der Pilot unterstützt die Rettungsschiffe der Hilfsorganisation Sea-Watch aus der Luft. Hauptsächlich fliegt er über den internationalen Gewässern vor Lybien. Bis zu sieben Stunden Nonstop ist er unterwegs und hält nach Flüchtlingsbooten Ausschau.

"Wenn wir aus der Luft ein Boot entdecken, können wir mit dem Flugzeug unmittelbar erst mal nichts mehr machen. Das heißt, wir melden das Boot, den Zustand und die Anzahl der Leute an die Seenotrettungszentren in Rom, in Libyen auch, in Malta, die dann alles Weitere veranlassen."
Manos Radisoglou, ehrenamtlicher Pilot für die "Humanitarian Pilots Initiative"

Aus der Luft kann der Pilot ein viel größeres Seegebiet im Blick halten, als die Kollegen unten im Meer von ihren Schiffen aus. Wenn Manos Radisoglou ein Flüchtlingsboot sichtet, meldet er das an die zuständigen Behörden in Libyen, Italien oder Malta, berichtet er. Sofern ein anderes Schiff oder ein Tanker in der Nähe ist, der retten kann, werden auch die über Funk informiert.

Immer zu zweit unterwegs

Dabei sitzt Manos Radisoglou nicht allein im Cockpit: Der Pilot wird begleitet von einem sogenannten "Operator", der den Funk und die Kommunikation mit den entsprechenden Stellen übernimmt.

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Bis vor gut eineinhalb Jahren war Italien der alleinige Ansprechpartner der Seenotretter, denn das Land war zuständig für das zentrale Mittelmeer. "Da lief das eigentlich recht gut", sagt Manos Radisoglou. Doch seit Libyen eine eigene Rettungszone vor der Küste hat, sei die Kommunikation schwieriger geworden - denn oft erreicht man dort niemanden. "Und dann geht im Prinzip so eine Hängepartie los, wer sich jetzt drum kümmert."

"Wenn man im Rettungszentrum in Libyen anruft, erreicht man entweder keinen oder niemanden, der Englisch spricht."
Manos Radisoglou, ehrenamtlicher Pilot für die "Humanitarian Pilots Initiative"

Am Ende seien es dann meist die privaten Seenotretter, die einspringen und die Menschen aus den Booten retten.

Mann vor einer Propellermaschine
© Tyson Sadler
Zusammen mit Sea-Watch betreibt die humanitäre Piloteninitiative (HPI) seit 2017 zivile Aufklärungsflüge über dem zentralen Mittelmeer.

Natürlich könnten auch andere Schiffe, die in der Nähe sind, helfen - etwa Tanker. Denn Manos Radisoglou kann im Prinzip zu jedem Schiff Kontakt aufnehmen. Aber: "So ein Tanker ist nicht dafür gemacht, 200 Menschen zehn Tage lang durchzufüttern und medizinisch zu verpflegen". Aus diesem Grund sei immer häufiger zu beobachten, dass Tanker abdrehen sobald sie mitbekommen, dass ein Flüchtlingsboot in der Nähe ist.

"Es passiert leider immer öfter, dass sich solche Reedereien weigern, eine Rettung durchzuführen oder bewusst sogar abdrehen, um gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen."
Manos Radisoglou, ehrenamtlicher Pilot für die "Humanitarian Pilots Initiative"

Tausende Tote im Mittelmeer

Laut UNHCR-Bericht sind 2018 im Schnitt jeden Tag sechs Menschen ertrunken, bei dem Versuch, das zentrale Mittelmeer zu überqueren. Insgesamt starben mindestens 2.275 Menschen.

Manos Radisoglou erzählt, dass es Situationen gab, in denen sie leere Boote im Meer entdeckt haben, ohne Menschen. Es kam auch vor, das ganze Boote verschwunden sind. Keiner wisse, was mit dem Menschen geschah: "Von daher sind auch die Opferzahlen im zentralen Mittelmeer mit Vorsicht zu genießen, weil die Dunkelziffer natürlich wesentlich höher ist", sagt er.