Wir machen alles selber, buchen Tickets, scannen unsere Einkäufe, laden im Netz Bauanleitungen runter. Auf der einen Seite ist das großartig: Wir sparen damit Geld und oft ist das Selbermachen schneller und einfacher. Aber es kann auch zu viel werden.

Der Kunde übernimmt die Arbeit, in vielen Branchen wird damit Aufwand und Arbeitszeit verringert. Das Problem: "Im Moment sehen wir, dass das nicht zu einer 20-Stunden-Woche für die Arbeitnehmerinnen führt", sagt die Kulturanthropologin Andrea Vetter, "sondern dass der Profit doppelt abgeschöpft wird und ganz viele arbeitslos werden."

Technik fürs Selbermachen statt Kommunikation

Natürlich ist es möglich, im Supermarkt mehr oder weniger frische Brötchen aus dem Automaten zu ziehen. Via Knopfdruck, dann warten wir eine kurze Weile, schon bekommen wir warmes und duftendes Backwerk. Mit Menschen müssen wir dafür gar nicht mehr sprechen. "Insofern ist das eine Technik, die soziale Interaktion minimiert", sagt die Kulturanthropologin Andrea Vetter. Das sei lebensunfreundlich. Ganz zu schweigen von den Menschen, die in der Bäckerei ihre Jobs verlieren.

Ikea-Prinzip weiter gedreht

Digitale Technologien können aber auch zu lebensfreundlichen Momenten führen. Ein Beispiel: Wir könnten uns zum Beispiel Baupläne für einen schönen Tisch herunterladen - dann gehen wir damit zum Schreiner, lassen uns Holz zuschneiden und bauen gemeinsam mit unseren Freunden den Zisch zusammen. Da wird das Ikea-Prinzip vom Selbstmachen zur Profitsteigerung so weit gedreht, dass es wieder extrem lebensfreundlich wird.

"Technik ist nicht einfach gut oder schlecht. Wir müssen immer schauen, in welchen gesellschaftlichen Situationen sie angewendet wird."
Andrea Vetter, Kulturanthropologin

Natürliche mache das Selbermachen grundsätzlich Spaß. "Menchen sind gerne tätig", sagt Andrea Vetter, "wir wollen nicht in den Supermarkt reingeschoben werden und nur konsumieren."